Souvenirs von der re:publica, Teil 1

Sie selbst nennt sich eine „der wichtigsten Gesellschaftskonferenzen Europas”, ich habe sie den „alljährlichen Opernball der deutschsprachigen Social-Web-Szene” geheißen – irgendetwas dazwischen wird sie wohl tatsächlich sein. Die re:publica in Berlin: Über 5.000 Teilnehmende, unzählige Workshops und Diskussionen, populäre internationale Speaker und aktuelle Themen rund um Internet, Politik, Technik und Gesellschaft. Die Konferenz, die seit 2007 jährlich veranstaltet wird, richtet sich an Vertreter aus Wissenschaft und Praxis zugleich. Für mich bietet sie die einzigartige Gelegenheit, mich auf den aktuellen Stand in Bereichen zu bringen, die meine Arbeit zwar berühren, die ich aber unter dem Jahr nicht schaffe, umfassend mitzuverfolgen. Ich bin aber auch zum dritten Mal nach Berlin gekommen, um die vielen Branchenkollegen, Freunde und Bekannten wieder zu sehen.

Viel von der re:publica ist bereits online dokumentiert, in den kommenden Tagen wird sicher noch mehr folgen. (Fast) jede Session wurde aufgezeichnet und auf YouTube gestellt. Unsere ist leider (noch) nicht darunter. Hier sind die Talkaufzeichnungen sogar schon mit dem Zeitplan verlinkt. Kurze Zusammenfassungen haben auch schon meine Kollegen aus Graz, Heinz und Brigitte, geschrieben. Jakob weist auf die Selbstreferenzialität hin. Wessen Zusammenfassung fehlt hier noch? Gerne Hinweise dazu an mich oder in die Kommentare.

Ich habe versucht, auf der Konferenz live mitzubloggen, musste mir aber eingestehen, dass das kaum möglich ist, will man keine Einheit verpassen. Deshalb reiche ich im folgenden die Zusammenfassungen von einigen Sessions nach, in denen ich gesessen bin. Vor allem bei einigen der Panels lohnt sich aber der Blick in die Videoaufzeichnung.

Hier kommt ihr zu den einzelnen Themen im Text:

Unser Vortrag: Tagespolitik auf Twitter

Axel Maireder und ich hielten am ersten Tag einen Vortrag, in dem wir Auszüge und Erkenntnisse aus unserer Twitterpolitik-Studie aus dem letzten Jahr präsentierten. Hier unsere Slides, umfassendere Erklärungen finden sich jedoch in der deutschen Studie (PDF) oder im englischen Paper:

Axel und ich präsentierten in einem Verbund mit Axel Bruns, der die Twitterstrategien der Wahlkampagnen im US-Wahlkampf 2012 analysierte, sowie Christian Nuernbergk, der gemeinsam mit Christian Neuberger und Sanja Kapidzic an der Uni München Twitter während des Papstbesuchs 2011 in Deutschland untersucht hatte.

Inhalte sind sekundär, „urleiwand” war, dass zumindest unser österreichischer Dialekt breiten Anklang fand:

Nun aber zu den Sessionzusammenfassungen:

Wissenschaftsjournalismus re:loaded

Der re:publica-Tag nach unserem Vortrag beginnt mit einem Panel: Die Session „Vom Erklärbär zur Ameisenkönigin” soll den digitalen Paradigmenwechsel im Wissenschaftsjournalismus thematisieren: Inwieweit ändert sich Wissenschaftsjournalismus durch Crowdsourcing, Datenvisualisierung und andere neue journalistische Methoden. Am Podium: Grit Kienzlen (Redakteurin beim Deutschlandradio; Moderation), Nicola Kuhrt (Redakteurin bei Spiegel Online), Marco Maas (Datenjournalist bei OpenDataCity, mitverantwortlich für Datenjournalismus-Leuchttürme wie den Zugmonitor, Lobbyplag und ZDF Parlameter), sowie Ralf Grötker (freier Wissenschaftsjournalist). Es ist dies nicht die einige Session, die sich mit dem ansonsten wenig beachteten Thema Wissenschaftsjournalismus auseinandersetzt. Der Hintergrund: Die Robert-Bosch-Stiftung, die auch die re:publica finanziell unterstützt, betreibt hierzu ein Förderungsprogramm. Leider sind nur Einreichungen aus Deutschland möglich.

Eines der geförderten Projekte ist Debatten-Profis, das Ralf Grötker vorstellt. Das Tool soll insbesondere bei Kontroversen eingesetzt werden. Das Problem: In vielen Situationen sind wissenschaftliche Themen für Laien schwer zu durchschauen. Experten und mediale Autoritäten widersprechen sich, die Menschen wissen nicht, welche Meinung sie annehmen sollen. Um die Orientierung zu erleichtern, setzt Debattenprofis auf eine visuelle Problemstrukturierung in Form von Argumentationsbäumen. Auch kollaborative Erweiterung und Recherche sollen möglich sein. Das Tool ist etwa beim derzeit auch in Österreich heiß diskutierten Thema Bienensterben und Neo-Nicotinoide im Einsatz:

Bienensterben

Die Idee, Kontroversen visuell aufzubereiten, ist nicht neu. Trotzdem verwundert es, dass die Methode bisher so wenig im Onlinejournalismus eingesetzt wird. Der Freitag, die taz und Telepolis hatten Faktencheck jedenfalls bereits in Artikeln getestet. Zu den zentralen „Learnings” von Grötker zählt der Einfluss der Kommentarkultur in den jeweiligen Communitites. Wo moderiert und auf Klarnamen gesetzt wird, entstehen brauchbarere Ergebnisse. Weitere Lektion: Leser-/Laienexpertise muss immer themenspezifisch gesucht/definiert werden.

Auch nach der Vorstellung des Projekts Debattenprofis war das Panel noch durchwegs verfolgenswert. Nicola Kuhrt, anmoderiert als „Vertreterin eines Leitmediums”, berichtete kurz von den Herausforderungen, bei Spiegel Online ein Datenjournalismus-Blog zu starten. In der Zwischenzeit ist das Blog online. Dahinter steht unter anderem Friedrich, derzeit dort Knight-Mozilla-Open-News-Fellow. Einer der ersten Beiträge war eine Netzwerkvisualisierung zu den Morden der NSU. Zum Vergleich, der Online-Standard hat schon einmal so etwas Ähnliches gemacht – hier habe ich zu dem Format gebloggt:

NSU-Netzwerk / Spiegel Online

NSU-Netzwerk / Spiegel Online

NSU-Netzwerk / Der Standard

NSU-Netzwerk / Der Standard

Vom Ende der Arbeit

Meine nächste Session war jene von Johannes Kleske, ein Berliner Consultant mit großer Entourage im Publikum. Er referierte über das “Ende der Arbeit” und den Zeitpunkt, zu dem Maschinen unsere Jobs übernehmen würden. Zu dem Thema hatte ich auch einmal einen Text geschrieben (PDF), deswegen hatte mich interessiert, was er dazu zu sagen hatte.

Nicht von ungefähr hat Kleske den Titel seines Vortrags an das Standardwerk von Jeremy Rifkin angelehnt. Er beginnt damit, einige Beobachtungen rund um die Automatisierung von Arbeitsprozessen zu erzählen und diese miteinander zu verknüpfen: Wenn wir an Automation denken, dann assoziieren wir das zu allererst mit Fabriken, in denen Roboter den Arbeitern die Jobs wegnehmen. Dabei sind Roboter in ganz vielen anderen Arbeitsbereichen aktiv, etwa in der Kinderbetreuung, Reinigung (automatische Staubsauger), dem Militär (Drohnen, etc.), Transport (das selbstfahrende Auto von Google (“Do android cars dream of electric pedestrians”; was passiert mit den vielen (Taxi-)Fahrern?), Aktienhandel (der erfolgreichste Aktienhändler ist ein “high frequency trading”-Algorithmus), 3D-Drucker & -Scanner, …. Insbesondere würden seit der Finanzkrise die Jobs der mittleren Einkommen wegbrechen. Wichtige Bezugspunkte für die Argumentation im Vortrag sind unter anderem diese Artikel aus Quartz une der Financial Times.

Android Cars

Android Cars, Quelle: Screenshot Präsentation.

Kleske bringt dann etwas ideologischen Unterbau, stellt zwei Extrempositionen gegenüber, um dann abschließend – Überraschung – einen Mittelweg zu propagieren. Auf der einen Seite gäbe es die Fortschrittsfeinde wie etwa die Maschinenstürmer und die Anhänger des Neo-Luddism. Auf der anderen Seite seien die Technikutopisten. Keine dieser Ideologien seien ein gangbarer Weg, deshalb braucht es Fortschritt, der von kritischem Denken begleitet wird.

Noch drei bemerkenswerte Aspekte aus dem Vortrag, der auch aufgezeichnet wurde und von anderen weitergedacht wurde:

Addendum: Ein dieser Tage viel diskutierter Text zu dem Thema ist auch jener von Jaron Lanier, der dem Internet die Schuld für das Verschwinden des Mittelstands gibt.

Neues von der Recherchefront

Stephanie Hankey und Marek Tuszynski haben für ihre Session bewusst einen populären Titel gewählt, indem sie ein „2.0” an das Wort „Investigation” gehängt haben. Die beiden arbeiten beim Tactical Technology Collective, einer NGO, die sich der Informationsverwendung im Aktivismus verschrieben hat. In ihrem Vortrag bringen sie einige Beispiele für innovativen Recherche abseits etablierter Medien.

Dronestargram

Dronestagram gibt dem Drohnenkrieg ein Gesicht.

Insgesamt zeigt der Talk, dass neben Journalisten auch zunehmend andere Gruppen unbequeme Fragen stellen: Blogger, Hacker, Künstler. Sie verwenden andere Ressourcen, schauen in Datenbanken und kollaborieren außerhalb von Institutionen. Nachschauen sehr empfehlenswert!

Vortrag auf der re:publica: Tagespolitik auf Twitter

Papiertapete auf der re:publica 12. Photo CC by ReneHamburg/Flickr.

Die re:publica in Berlin ist der alljährliche Opernball der deutschsprachigen Social-Web-Szene. Social-Media-Beraterin trifft Künstler, digitale Bohème trifft Marketing-Manager, DJane trinkt Club Mate. Dazwischen: Grandiose Vorträge aus Wissenschaft und Praxis – und ein Hashtag.

Ich freue mich, dass unser Vorschlag akzeptiert wurde und ich heuer mit Axel Maireder zum Thema Tagespolitik auf Twitter: Themen und Strukturen einer politischen Twittersphäre vortragen werde. Axel Bruns  hat ein Panel eingereicht – hier alle Beiträge –, bei dem wir neben Christian Nuernbergk, Sanja Kapidzic und Prof. Christoph Neuberger vom Institut für Kommunikationswissenschaft der Uni München sprechen werden. 

Vor zwei Jahren auf der re:publica habe ich gemeinsam mit Heinz Wittenbrink über Web Literacy referiert. Heinz ist auch heuer wieder mit einem Vortrag über MOOCs vertreten. Und unsere Kollegin Brigitte Radl wird auch da sein und auf der re:campaign sprechen. Damit ist das Kernteam des Web Literacy Lab auf der re:publica vertreten. Große Freude.

 

Vintage Techno

Album review for INDIE, No. 38, Spring 2013.
Albumrezension für INDIE, No. 38, Frühjahr 2013.

Brandt Brauer Frick. Photo by Nico Stinghe & Park Bennett

Brandt Brauer Frick made their name as one of the great electronic retro-innovations of 2010: Techno played live, mainly on traditional instruments such as piano and percussion, performed with extreme physical exertion. Ravers, hipsters, connoisseurs and mainstreamers, everyone agreed that this Berlin-made combo rocked. Daniel Brandt, Jan Brauer and Paul Frick were feted all over the world. From their music to their clothes, everything about them seemed to have been perfectly mapped out Kraftwerk-style down to the very last detail. But there was a subtle difference: While Kraftwerk aimed to reduce the human factor to an absolute minimum, Brandt Brauer Frick brought along a human touch never before seen or heard within the realms of machine music. Now Brandt Brauer Frick are ready to drop a new album called “Miami”. The three-piece have made a lot of progress, adding plenty of new ingredients to their basic recipe. The rhythms are more varied, and there is even room for vocals, provided by the likes of Jamie Lidell, Gudrun Gut (formerly of Einstürzende Neubauten) and Nina Kraviz. But don’t expect any big pop hooks. The vocals creep in at unexpected points, sometimes heavily distorted and processed. But the band went through a transformation that cannot be pulled off without compromise. “Miami” sacrifices some of the instant club appeal (granted, at times some techno and UK bass flavours shine through), trading the dance floor for concert halls and living rooms to join up the worlds of the classic gig and advanced electronics even further than before.

“Miami” is out on !K7 Records/ Alive.

—–

Brandt Brauer Frick war eine der großen elektronischen Retro-Innovationen 2010: Techno, live gespielt mit Großteils klassischen Instrumenten wie Klavier und Percussion, unter enormem Körpereinsatz: Dass diese Berliner Kombination rockte, darauf konnten sich Raver wie auch Hipster, Kenner wie auch Mainstreamer verständigen. Continue reading

NGOs und die Netzkonkurrenz

Vor einigen Tagen diskutierte ich im Kreisky-Forum über den Zustand und die Zukunft von NGOs. Die zentrale Frage: Haben Nichtregierungsorganisationen angesichts digitaler Graswurzelbewegungen und individualisiertem Engagement bald ausgedient? Mit am Podium: Barbara Blaha, Leiterin des Momentum-Kongresses, Peter Huemer, Journalist und Historiker, sowie Philipp Sonderegger, NGO-Berater und langjähriger Pressesprecher von SOS Mitmensch, der auch den titelgebenden Blogbeitrag zur Diskussionrunde “Kundgebung heißt jetzt Flashmob” verfasst hatte. Die Publizistin Isolde Charim hatte zur Veranstaltung eingeladen und moderierte. Im Folgenden fasse ich meine zentralen Argumente hinsichtlich NGOs zusammen, weil ich sie gerne weiterspinnen möchte.  Continue reading

Armut bekämpfen mit Open Data [Update]

Über 100 Hackathons – von Norwegen bis Uganda – gingen dieses Wochenende anlässlich des International Open Data Day über die Bühne – einer davon auch in Wien: Im Zentrum für Verwaltungsforschung beschäftigten sich Open-Data-Begeisterte mit offenen Daten, deren Aufbereitung und Nutzen. Tag eins widmete sich der Frage, wie sich Armut durch Big Data bekämpfen lässt, Tag zwei offenen Gemeindebudgets. Insgesamt kamen an den zwei Tagen rund vierzig DatenexpertInnen, EntwicklerInnen und Open Data Advocates ins KDZ. Sie waren aus Washington, Frankfurt, Bratislava aber auch aus Wien, der Steiermark und Niederösterreich angereist. Das mediale Interesse war mit einem Kamerateam der ZiB2 und JournalistInnen von Radio Ö1 und Radio Helsinki unerwartet hoch.

(c) UNDP in Europe and Central Asia

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Korrekte Smartphones

CC-by-nc-nd: rubra / Ars Electronica

Ein Toaster “from the scratch”, gesehen bei der Ars Electronica 2010.

Achtung, Live-Blogging: Ich schreibe Dinge falsch auf, vergesse wichtige Aspekte, redigiere kaum – seid gewarnt.

Heute im Wiener Hub eine neue Ausgabe von twentytwenty, das regelmäßig, Zukunftsthemen aus dem Technologiebereich abklopft. Diese Ausgabe behandelt Smartphones, die fair und ökologisch richtig produziert und recycelt werden sollen – und das alles bei offener Hard- und Software. Utopie? Jedenfalls sehr korrekt. Joe Mier, Community Manager bei FairPhone, eröffnet die Veranstaltung mit einer Keynote. Er stellt das in Amsterdam ansässige Projekt vor, das ein rundum faires Mobiltelefon zu entwickeln will: Es beginnt bei der Förderung der benötigten Mineralien und den Produktionsbedingungen über das Betriebssystem (Open-Source) bis hin zur Preistransparenz. Continue reading

The Method of Book Sprints – or How to Create a Book in Three Days

Note: Live-blogging. Getting things wrong, missing points, forgetting key information.

Digital Methods Winterschool, day 2: Adam Hyde (via Video), Michael Dieter and David Berry (most of the arguments here stem from his slides) introduce us to the method of book sprint. A book sprint is a time-boxed short duration writing process usually in the order of three to five days. The aim is to produce a complete publication-ready manuscript. A book sprint has always two types of spaces: (1) A shared writing/talking area around a table and (2) quiet working space for indiviudal reading/writing/reflection. Key is an early “buy-in” from the participants: They all need to agree on the outline that is developed on the first day (and not beforehand). Continue reading

The Milestones and Contributors of “Twitterpolitik”

AxelAxel and I have been working on the project Twitterpolitik for more than a year now. Now that the most important paper on the project is published I would like to summarize some of the events that lead to its publication and mention the most important contributors: Continue reading

New Publication: National Politics on Twitter

What started as an idea at Axel Bruns’ PhD Seminar in the summer of 2011 is finally my most important scientific publication so far. Yesterday, National Politics on Twitter: Structures and Topics of a Networked Public Sphere was published in Information, Communication & Society (ICS). The paper will be printed in a special issue covering the Internet Research 13.0 conference. I am really happy about this publication, because ICS belongs to the most important journals in my field of research.

Here is the…

  • the draft version of the article [coming soon].
  • the research paper Twitterpolitik [26,4 MB PDF, 58 pages, in German) that covers the same topic.
  • the abstract  Continue reading

Die leisen Revolutionäre der digitalen Gesellschaft

Buchrezension für den Falter, 49/2012 vom 5.12.2012, S. 18.

Mercedes Bunz' neues Buch

Die Digitalisierung verändert den Alltag der Menschen ähnlich stark wie es die Industrialisierung im 19. Jahrhundert getan hat. Was damals Maschinen waren, sind heute Algorithmen. Diese leise, aber unaufhaltsame Revolution ermöglicht etwa, dass sich Ärzte und Patienten mit gleichem Wissensstand begegnen oder dass sich Massen schnell und intelligent organisieren.
Mercedes Bunz, eine in London lebende deutsche Journalistin und Wissenschaftlerin, beschreibt in ihrem neuen Buch, wie sich das Internet auf unser Wissen, unsere Arbeit, die Öffentlichkeit und Politik auswirkt. Bunz analysiert dazu einerseits zahlreiche Netzphänomene der letzten Jahre – von Ai Weiwei bis Wikileaks –, andererseits klopft sie die Theorien philosophischer und soziologischer Klassiker auf ihre Tauglichkeit im digitalen Zeitalter ab. Meistens würden massenmediale Diskussionen die Digitalisierung abwerten, schreibt die Autorin, dabei gehe es darum, sie aktiv zu gestalten – sei sie doch ohnehin unaufhaltbar.

Disclaimer: Ich kenne die Autorin persönlich.  

Netzwerkvisualisierungen bei Onlinemedien [updated]

[Live-Blogging, Disclaimer] Gestern ging im Wiener Hub die vierte Ausgabe von Hacks/Hackers Vienna über die Bühne. Charakteristikum der Veranstaltung ist, dass JournalistInnen (=Hacks) und ProgrammiererInnen (=Hackers) zusammen kommen, um Innovationen im Journalismus zu diskutieren. Ich habe auch vor einiger Zeit dort einmal etwas über Datenjournalismus erzählt.

Die Netzwerke bei derStandard.at

“Es sollte interaktiv, spielerischer und irgendwie ’2012′ sein”, leitete Florian Gossy ein, um von den Netzwerkvisualisierungen von derStandard.at zu erzählen, die er zusammen mit KollegInnen in den letzten Wochen und Monaten erstellt hatte: InserateGlücksspielTelekom sind die, die bis jetzt existieren. Weitere sind in Planung. Das Feedback der UserInnen und der Leitung von derStandard.at nach der Veröffentlichung war sehr positiv. Die Zugriffe waren höher, ebenso die Verweildauer. Betriebswirtschaflich rechnen tut sich das Projekt allerdings nicht, weil unglaublich viel Arbeit darin steckt. Zu jedem Akteur mussten die Verbindungen händisch definiert werden; es gibt eine Biografie inkl. Events und Verlinkungen zu anderen Artikeln (auch zur Konkurrenz). In Zukunft könnten aus diesen Events auch Timelines exportiert werden. Weil es sich um so sensitive Fälle handelt, wurden die Beschreibungen und Verbindungen jedes Akteurs wird von drei bis vier Personen gecheckt.

Länger haben wir über das Design gesprochen, das noch weiterentwickelt werden soll: Jeder Knoten ist derzeit gleich groß, die Verbindungsdicke und -entfernung kann per Dropdownmenü gesteuert werden. Die Netzwerke sind als Layer angelegt. Später wird man hoffentlich Netzwerke aus verschiedenen Themen übereinander legen können bzw. per Tab durchklicken können. Technisch basieren die Netzwerke auf der Javascript-Library. Bei der Entwicklung arbeiteten derStandard.at mit einer externen Entwicklungsfirma zusammen.

Weitere Politik-Netzwerkvisualisierungen

Im Anschluss an Flos Referat diskutierten wir noch weitere politische Netzwerkgrafiken bei Online-Medien. Unbekannt, da so versteckt, sind die Netzwerke, die Meine Abgeordneten automatisiert für jeden Abgeordneten erstellt. Hier ein Beispiel zu Martin Bartenstein:

Bartenstein-Firmen-Netzwerk

Fin erklärt noch, was er an einem Wochenende im Metalab programmiert hat. Eine (halbfertige) Netzwerkgrafik zu Karl-Heinz Grasser:

KHG-Netzwerk

Als Visualiserung mit wenig Informationsgehalt wird jenes von Le Monde über die MitarbeiterInnen des französischen Präsidenten eingeschätzt. Ein ausklappbares Organigramm würde wohl besser passen:

Hollande-MitarbeiterInnen

Update 12:00 Uhr: Flo Gossy weist auf Twitter noch auf eine weitere Netzwerkvisualisierung von PBS hin, die Video mit interaktiver Netzwerkgrafik kombiniert:


Update Ende

Das Digilab von “Heute”

Den Abschluss von Hacks/Hackers machte Christof Hinterplattner (@quadres), der die Digitalsparte der Gratistageszeitung Heute leitet. Er kündigte an, dass “Heute” gerade dabei ist, ein Labor für digitale Konzepte aufzubauen. Derzeit sind sie gerade auf der Suche nach Personal. Ca. sechs bis zehn Leute sollen im Digilab arbeiten und abseits des Tagesgeschäfts innovative Prototypen und Konzepte entwickeln. Erste Projekte sind noch nicht definiert, es scheint aber, dass es nicht allein um Journalismus gehen soll. Trotzdem klingt es nach einer interessanten Spielwiese.

250.000 EUR Journalismus-Innovations-Wettbewerb & Random Hacks of Kindness

Zu Gast, weil zufällig in Wien, war auch Rina Tsubaki, die in Maastricht für das European Journalism Center das Projekt Emergency Journalism betreut. Das European Journalism Center ist mir bekannt, weil sie das Data Journalism Handbook in Kooperation mit der britischen OKFN so erfolgreich abgewickelt haben. Rina macht uns noch auf zwei Projekte aufmerksam:

  1. Einen gerade laufenden Wettbewerb für Journalismusinnovation, bei dem 250.000 Euro zu gewinnen sind. Dabei handelt es sich um eine finnische Kopie der Knight News Challenge. Jeder kann einreichen. Einzige Voraussetzung ist die Bereitschaft zur Erstumsetzung des Konzepts in Finnland.
  2. Das Projekt Random Hacks of Kindness, bei dem Hacker zu einem Hackathon an einem Wochenende zusammenkommen und humanitäre Organisationen mit Entwicklungen unterstützen. Wieso transferiert man so etwas nicht auch nach Österreich?

Disclaimer: Dieses Post wurde während der Veranstaltung verfasst. Es soll die wichtigsten Punkte zusammenfassen. Obwohl gewissenhaft erstellt, besteht kein Anspruch auf Korrektheit, Vollständigkeit oder wortgetreue Wiedergabe.

Der wohlige Rausch der Bohème

Albumrezension für INDIE, No. 36, Herbst 2012, S. 20. 

Photo by Andreas Koefoed.

Wer sich künstlerisch finden will, geht ins Kloster oder nach Berlin. Die skandinavische Bohème hat sich für die deutsche Bundeshauptstadt entschieden und mietet sich dort seit einigen Jahren in Altbauwohnungen ein. Darunter auch die Dänen von Efterklang, die es nach mehr als zehn Jahren, drei Studioalben und über 400 Konzerten nach Berlin zog. Für die Sampleaufnahmen fuhr die Band allerdings in die gleichnamige Geisterstadt aufs norwegische Spitzbergen. Früher plagten sich dort kommunistische Kohlekumpel – 1998 wurde die russische Kohleabbausiedlung stillgelegt – heute knipsen Touristen die Relikte. Das Trio klopfte dort auf leere Tanks, sang in verfallenen Hallen und zeichnete alles auf. Über tausend Aufnahmen brachten Efterklang zurück nach Berlin. Aus den gesammelten Field Recordings, dem Frickeln und Knacken der kalten Einöde, Studio-Recordings und den 70 Stimmen eines Mädchenchors basteln sie an “Piramida”. Behutsam ist jedes einzelne Lied arrangiert: Glockenspiel, Synthies, Saxophon, Piano, Geige, und und und… Trotz der breiten Klangpalette bleibt die Platte aber brav und eingängig. Die experimentellen Sounds aus der Kohleminenstadt geistern nur im Hintergrund umher. Casper Clausens Stimme ist voll von Melancholie und Herzschmerz, unverwechselbar singt er von Isolation und Trennung. Die emotionale Last drückt aber nicht, sie gleitet über die ätherischen Klangflächen. Diese Kombination – Melancholie gepaart mit majestätischem Sound – ist es, die Efterklang so einzigartig machen. Wie gemacht für einen Herbstabend mit einem wohligen Absturz mit Rotwein. Ganz so wie es echte skandinavische Bohemièns in Berlin eben handhaben.

“Piramida” ist am 24. September auf 4AD erschienen.

How to Verify Information on Social Media

On Twitter every now and then a celebrity is declared dead. Very often this is just a hoax: For instance, Eddie Murphy and Denzel Washington have had a mysterious deadly snowboarding accident. And when North Korean dictator Kim Jong Il died, the rapper Lil Kim became a trending topic as many hip hop fans simply got confused due their similar names.

Rumours, hoaxes and wrong information have been everyday phenomena in the news business. With social media some things have changed: User generated content has become a new source for journalists and now news spread and modify faster than ever. Journalists have to adapt to these new conditions. Last week I gave a lecture to first-year journalism students in Oslo. In the talk I put the phenomenon of rumours in social media into context and gave the students some tips on how to use the means they have available to check facts. The last slide contains links to a excellent blog posts and papers that contribute to the topic. Elsebeth Frey at Oslo and Akershus University 
College of Applied Sciences was so kind to give me the opportunity to speak in her class about fact checking.

And these are the slides:

Studienpräsentation: Twitterpolitik – Themen und Netzwerke der politischen Twittersphäre in Österreich

Am 29. März 2012 präsentieren Axel MairederAxel Kittenberger und ich im Designforum Wien unsere Studie zur österreichischen Innenpolitik auf Twitter. Rund ein halbes Jahr haben wir daran gearbeitet. Die Ergebnisse diskutiert anschließend ein Panel, bestehend aus Corinna Milborn (News), Armin Wolf (ORF), Stefan Petzner (BZÖ) und Michel Reimon (Grüne), unter der Moderation von Niko Alm (Super-Fi).

Weitere Infos zur Veranstaltung, laufende Neuigkeiten, sowie die Studie selbst veröffentlichen wir auf:

http://twitterpolitik.net

Twitterpolitik

Datenjournalismus in Österreich: Der Zug rollt an

Dies ist ein Beitrag zur aktuellen Blogparade von twenty.twenty. Die Veranstaltungsreihe erlebt morgen um 19:00 Uhr im Wiener Hub eine neue Ausgabe zum Thema Geschichten aus dem Datenwald.

Foto: CC State Records NSW

Wie eine Dampflok: Langsam, aber stetig kommt Datenjournalismus in Österreich in Fahrt:

Die Liste ließe sich noch weiter fortführen. Vor einem Jahr gab es kaum eine dieser Entwicklungen hierzulande. Sie wurden ausgelöst durch Projekte, die anderswo – in Redaktionen in Großbritannien, den USA, Frankreich oder Deutschland – passieren. Die Datenjournalismus-Lok fährt dabei im Windschatten der großen Open-Data-Züge: Je mehr Daten aus Regierung und Verwaltung öffentlich werden, desto mehr Recherchematerial haben DatenjournalistInnen. So wie es auch die PSI-Bewegung schon länger als Open Government Data gibt, ist es auch beim Datenjournalismus: Dieser ist keineswegs ein neues Phänomen. Früher hieß es Computer Assisted Reporting. Das Innovative am “neuen” Datenjournalismus (wie wir ihn aktuell insbesondere mit der New York Times und dem Guardian verbinden) ist die Interaktivität.

Damit die Datenjournalismus-Lok in Österreich weiterfahren und beschleunigen kann, müssen Schienen verlegt und Weichen gestellt werden: Natürlich benötigt es mehr, bessere, und sensiblere Daten (jedoch keine personenbezogenen). Wenn die etablierten Medien nicht dem Zug hinterherlaufen wollen, müssen sie in Personal und Technik investieren (auch wenn “das” Datenjournalismus-Geschäftsmodell noch nicht in Sicht ist). Online-Medien brauchen GrafikerInnen, StatistikerInnen und ProgrammiererInnen, die nicht in der IT- oder der Controlling-Abteilung sondern in der Redaktion arbeiten. Der Paradigmenwechsel weg vom Artikeldenken hin zum Prozessjournalismus, der Crowdsourcing und Zusammenarbeit zwischen Medienunternehmen beinhaltet, ist eine weitere zentrale Weichenstellung. Wenn es so weitergeht, bin ich mir sicher, dass ein Unternehmen wie OpenDataCity bald auch in Österreich überleben kann.

Datenjournalismus wird sich in den nächsten Jahren thematisch ausdifferenzieren. Derzeit sind die Teams, die an Datenjournalismus-Projekten arbeiten, Allrounder: Sie bearbeiten Finanzdaten genauso wie Geheimdokumente, Schulstatistiken wie auch Twitter-Konversationen. Das wird sich ändern. So wie jede angehende Journalistin heute Social Media beherrschen muss – egal in welchem Ressort sie arbeitet –, wird sie in wenigen Jahren mit Big Data umgehen müssen. Denn die guten Geschichten im Datenberg kann nur derjenige finden, der nicht nur technisch sondern auch fachlich exzellent ist. Und deshalb braucht es neben der technischen Kompetenz auch die fachliche Ausdifferenzierung: die Datenspezialistin im Wirtschaftsressort oder den Sportstatistiker zum Beispiel. Data Literacy wird keine Schlüsselkompetenz von einzelnen Geeks mehr sein, sie wird zu Basiskompetenz jedes Journalismusanwärters. Die Journalismusausbildung müssen wir dahingehend anpassen.
Hinzu kommt die zunehmende Verfügbarkeit von Open Corporate Data, aber das ist einmal einen gesonderten Blogbeitrag wert.

Welche Zielbahnhöfe die heimischen Datenjournalismus-Loks ansteuern können, das zeigt sich regelmäßig international, etwa bei “The Week in Data” des französischen Portals Owni. Gut, dass hierzulande schon einmal Fahrt aufgenommen wurde.

PS: Der internationale Twitter-Hashtag zu Datenjournalismus, der glücklicherweise noch schön verfolgbar ist, lautet #ddj. Auf dieser Twitter-Liste habe ich einige DatenjournalistInnen gesammelt, die etwas zu sagen haben.

Meilensteine und Charakteristika des Datenjournalismus

Bei der gestrigen Auflage von Collide:Vienna habe ich einen Vortrag zu Meilensteinen und Charakteristika des Datenjournalismus gehalten. Collide ist eine Veranstaltungsreihe in Wien, bei der sich Publizisten und Hacker treffen, um sich über Innovationen im Journalismus auszutauschen. Unter anderem zeige ich, dass Datenjournalismus keineswegs ein neues Phänomen ist. Datenjournalistische Ansätze lassen sich bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts zurückverfolgen. Auch als Journalisten bereits Computern verwendeten, aber weder das Internet noch Onlinepublikationen existierten, gab es Datenjournalismus etwa bei Zeitungen.

Hier sind meine Slides, die auch ein Modell über die aktuellen Rahmenbedingungen und den Workflow datenjournalistischer Arbeit.

Neben mir hat auch Robert Harm einen Vortrag zu Werkzeugen im Datenjournalismus gehalten. Dabei ging er insbesondere auf Maps Marker ein, ein unlängst von ihm entwickeltes äußerst mächtiges WordPress-Plugin.

Collide ist inspiriert von der Hacks/Hackers-Bewegung in den USA, die sich nichts Geringeres als einen Reboot des Journalismus zum Ziel gesetzt hat. In Wien soll die Reihe in Zukunft communitygetrieben funktionieren, ähnlich wie die Webmontage. Wer auf dem Laufenden bleiben will und gerne über Innovationen im Journalismus hört und diskutiert, dem sei auch die Collide-Facebook-Gruppe ans Herz gelegt. Derzeit stehen Christopher Clay aka @c3o und insbesondere Markus Hametner aka @fin hinter dem Projekt. Letzterer programmiert auch luminous flux, von dem wir in Zukunft hoffentlich noch einiges hören werden.

New-Media-Vorträge im Oktober – Einige Empfehlungen

Noch nie habe ich in Wien solch eine Dichte an Veranstaltungen gesehen, die sich mit Internetforschung, Onlinejournalismus und Digitalisierung auseinandersetzen.

Einige Empfehlungen für die nächsten Tage mit grandiosen Vortragenden:

Europeana Tech Conference

  • Dienstag, 4. Oktober & Mittwoch, 5. Oktober, 09:00 – 17:00 Uhr, Österreichische Nationalbibliothek
  • Schwerpunkte: Open Data, Open Source
  • Anmeldung nicht mehr möglich

Semantic Web Company’s Open House with Evan Sandhaus (New York Times), Andreas Gebhard (Getty Images), Stuart Myles (Associated Press)

  • Mittwoch, 5. Oktober, 18:30 Uhr, Semantic Web Company
  • Schwerpunkte: Semantic Web, Data Retrieval, Journalism
  • Eintritt frei, Anmeldung erforderlich

Symposium Medienpolitik und Recht. Wikileaks: Neue Regeln für neue Formen der Kommunikation?

  • Donnerstag, 6. Oktober, 16:3019:00 Uhr, Österreichische Akademie der Wissenschaften
  • Schwerpunkte: Internetregulierung, IT-Law
  • Eintritt frei

Auftaktveranstaltung zum Start des Master Programms International Media Innovation Management mit Bill Horn (New York Times), Bill Mitchell (Poynter Institute, Florida): Media Innovation: How to Shape the Future

  • Montag, 10. Oktober, 18:00 Uhr, Marx Palast, Media Quarter Marx
  • Eintritt frei, Anmeldung erforderlich

Gruppe Internetforschung: Workshop InterRecht / UrheberNet – Rechtliche Rahmenbedingungen von Online-Publikationen und Möglichkeiten von Open Access in der Wissenschaft

  • Dienstag, 11. Oktober, 17:00 Uhr, Raum D, Museumsquartier
  • Schwerpunkt: Wissenschaftliches Publizieren, IT-Law
  • Eintritt frei, keine Anmeldung erforderlich

Auftaktveranstaltung zum Start des Master Programms International Media Innovation Management mit Bill Horn (New York Times), Bill Mitchell (Poynter Institute, Florida): Media Innovation: How to Shape the Future
Monday, October 10th, 2011,6 p.m. at Marx Palast at Media Quarter Marx
Montag, 10. Oktober, 18:00 Uhr, Marx Palast, Media Quarter Marx

Eintritt frei, Anmeldung erforderlich

Tim Berners-Lee: World Wide Web: Who Rules the Internet Society?

  • Dienstag, 11. Oktober, 18:30 Uhr, Spanische Hofreitschule
  • Schwerpunkt: Internet Governance
  • Einladung erforderlich, Karten-Verlosung via Twitter-Wettbewerb

Nicht in Wien, jedoch auch Hinweisenswertes passiert in Graz am Studiengang für Journalismus und PR, an dem ich arbeite:

Karim El-Gawhary

  • Mittwoch, 12. Oktober, 13:00-14:30 Uhr, Studiengang für Journalismus und PR, FH JOANNEUM
  • Schwerpunkt: Arabischer Frühling, Journalismus als Korrespondent
  • Eintritt frei, keine Anmeldung erforderlich

Schon vorüber:

Hedy Lamarr Lecture mit Philip Meyer: Precision Journalism v. Narrative Journalism: Toward a Unified Field Theory

  • Montag, 3. Oktober, 18:15 Uhr, Österreichische Akademie der Wissenschaften
  • Schwerpunkte: Data Journalism, New Media

Um auf dem Laufenden zu bleiben, empfiehlt es sich auch, den Feed von webtermine.at zu abonnieren.

The Culture of Trolling

This Wednesday our internet research group co-hosted a talk on the topic of trolling. Carmel Vaisman (@carmelva) who is a communication researcher at the Hebrew University of Jerusalem spoke about the practices of trolls and the similarities and differences to face-to-face interactions. Don’t Feed The Trolls. Countering The Discourse Patterns of Online Harassments was her subject. I post my short notes here as a summary here, but be warned: I was live-blogging, getting things wrong and missing points, …* derStandard.at/Web wrote an excellent summary of the talk in German. I recommend also reading the comments of the derStandard article because you see another excellent example of troll behavior ;). And here is also Carmel’s prezi:

The talk was based upon two chapters of her book Hebrew Online.

A troll is person who seeks attention, who cannot be reasoned with. The word troll doesn’t come from the nordic monster. The verb has its origins in a fishing technique and means slowly dragging (a lure). There is also a small suitcase with wheels which we call trolley because we drag it.

Susan Herring is one of the first researchers who studied the culture of trolling.

Trolls in early internet days, for example in IRC chats, were polite in their expressions, they just seeked attenttion. Today’s troll are much more violent. Carmel differentiates six practices of violent online behaviour:

  • spam
  • flaming
  • stalking
  • trolling
  • cyberbullying
  • virtual rape

What is common to all those practices is that trolls perform those in repetitive manner. This erodes the identity of attacked person/institution step by step. What are examples of violent online behavior? Stalking is a form of sexual online harassment: Somebody reads every online output of another person and reacts on it, he/she keeps writing comments and gives “likes”, always being the first. The Facebook-Poke (which descends from the old Unix-Commands “ping” and “finger”) can be a form of flirtation, a form of touch. But if it is unwanted and repeatedly executed it is harassment. Other practices of trolls are hate groups and hate pages, repetative insults and threats on a private channel. What I found an innovative destruction tactic was when a troll clicked on the ads of a blog until Google stopped the ad distribution because of a violation of the terms of service.

Carmel made the important point that violence exerted to the virtual represenation of somebody else has real consequences. Trolls harm the avatar (the wall, the profile, …) and it is like harming someone in person. Attention is a double edged sword, it is not only resource, it can also be a burden.

Why is there so much more hate speech and flaming on the web than in face-to-face-interactions? Because big parts of the web are anonymous? Recently we see that the web is getting less and less anonymous (e.g. Facebook) and people are still flaming at each other. You could of course refer to a cultural explanation. In Israel, for example, online arguments are sometimes very tough but then they come to an agreement. Carmel identified parallels to the tradition of talmudic argumentation. But to look for the reason in culture may not be everything. The main reason why communication can sometimes be more violent online is because communication is mediated. The face and the body are missing (-> Levinas).

To underline explanation Carmel concluded with a tragic story of a young man who committed suicide live online, people watching him encouraged him and did not call for help. This couldn’t have happened offline, could it?

Vertrauen in Filter ist gut, Kontrolle ist besser

Dies ist ein Beitrag zur aktuellen Blogparade von twenty.twenty. Die Veranstaltungsreihe erlebt heute um 19:00 Uhr im Wiener Hub eine neue Ausgabe zum Thema Social Information Management.
Zur gleichen Zeit spricht Carmel Vaisman in einem von unserer Forschungsgruppe Internet mitorganisierten Vortrag über
“Don’t Feed the Trolls” am Institut für Kultur- und Sozialanthropologie.

Eigentlich ist damit schon alles gesagt: “If the news is important it will find me.” Dieser breit getretene Satz eines College-Studenten ist auch die erste Antwort auf die kommunikationswissenschaftliche Gretchenfrage, unter dessen Motto die twenty-twenty-Blogparade steht: Wie wird die Gesellschaft in Zukunft mit Information umgehen? Auch wenn wir mit immer mehr Informationen, Nachrichten und Daten hantieren, müssen wir keine Angst davor haben, dass uns das Wichtige nicht erreicht. Natürlich haben wir alle schon einmal eine entscheidende E-Mail verpasst oder einen Anruf nicht entgegen genommen, der sich im Nachhinein als bedeutsam herausgestellt hat. Und Trotzdem: War eine Nachricht sehr wichtig, dann haben wir sie in den meisten Fällen erhalten. Insofern teile ich die Ansicht von Kollegen Gratzer: Nur keine Angst vor dem Informations-Tsunami. If the news is important it will find me.

Dennoch müssen dieses Vertrauen in Informationsfiltermechanismen hinterfragt und analysiert werden, um nicht retrospektiv resigniert resümieren zu müssen, dass auch wichtige Nachrichten ihre Empfänger nicht mehr finden. Zuviel ändert sich, zuviel steht auf dem Spiel. Wie funktioniert also der Online-Informationsfilter? Die Filterung von digitaler bzw. digitalisierter Information passiert auf zwei Ebenen, die miteinander verschränkt sind. Ebene 1: die technologische; Ebene 2: die sozial-kognitive. Diese Differenzierung trifft auch Nuri Nurisbach in seinem Blogparade-Beitrag.

Erstere Ebene bietet Informationsfilter verschiedener Typs: Algorithmen und Streams, die nur Informationen mit bestimmten Eigenschaften transportieren; Suchmaschinen und Datenbanken, die Antworten auf Anfragen liefern, sodass wir nicht das ganze Netz durchforsten müssen; Hardware wie z.B. Mobile Devices, die gewisse Inhalte verweigern oder reduziert darstellen. Die technologische Ebene der Informationsfilter schränkt ein, ohne dass wir den Ausschuss zu Gesicht bekommen (können). Das unterscheidet sie von der zweiten, der sozial-kognitiven Filterebene. Hier sehen wir sehr wohl die ausgefilterten Inhalte, nehmen sie aber nicht dauerhaft wahr.
Vertrauen ist die zentrale Instanz der zweiten, der sozial-kognitiven Filterebene. Wir erhalten Informationen und navigieren anhand von Personen und Institutionen, die wir kennen und denen wir vertrauen. Dabei ist der Hyperlink das zentrale vertrauensbildende Element. Ein Verweis schafft Vertrauen, er macht sowohl Handeln als auch Nachrichten nachvollziehbar und damit zuverlässig. Und Zuverlässigkeit und Überprüfbarkeit sind eine zentrale Anforderung an eine Nachricht, schließlich wollen wir uns nach ihr richten.

Beide Filterebenen, sowohl die technologischen als auch die sozial-kognitiven, werden in Zukunft feiner und besser werden. Sie werden sich weiterentwickeln und ihrem Umfeld und ihrer Umgebung anpassen. Auf der sozial-kognitiven Ebene ist eine wissenschaftliche Dokumentation des Fortschritts sowie dessen gezielte Förderung unabdingbar (Stichwort: Media Literacy). Auf der technologischen Ebene müssen Nachvollziehbarkeit und Offenheit die obersten Gebote sein: Traue keinem Filter, den du nicht selbst verstanden hast.

PS: Die anderen Blogparade-Beiträge sind hier nachzulesen.

Web Literacy Lab meets Youth and Media Lab

Non-Berkman staff, please scroll down for additional background information.

The Institute for Journalism and Public Relations – my part-time workplace – is coordinating a research project called Web Literacy Lab [FB, Twitter]. Since it started in October last year I have been spending most of my working time on this project. Our main focus lies on researching and developing new media literacies in companies and organizations. The person in charge of this three-year project is Heinz Wittenbrink.

In the first phase (still ongoing) we are trying to find the answer to the following question: What constitutes new media literacies and what are conditions (and barriers) for people to adopt those literacies? To find a reliable and satisfying response in this explorative field we apply traditonal qualitative research methods, basing our research on the theoretical frameworks of ethnomethodology and actor network theory. By using the methods of participant observation, group discussion and conversational analysis we gain more insight into the web practices of people and the prerequisites necessary for successful online communication.

Once this first phase is completed and our question answered, we take a normative approach: Step two is the development of curricula and white papers, in which we explain how specific groups and branches can learn the previously defined new media literacies. Those concepts and publications will be open to the public under a liberal license and can then be taken and improved by everyone. The third and final step in our project is the implementation of these curricula in enterprises and educational institutions. By accomplishing those steps we hope to have contributed to the societal digital literacy in our region and to have helped closing the digital gap – at least a bit.

Why am I explaining this? On the one hand because it is an important part of my life and I want to share it. Empowering people to adopt technology for a greater good is an ideal that drives me. On the other hand– and this what makes it relevant for this text: I want to point out that from my point of view Berkman Center’s Youth and Media Lab and the Web Literacy Lab have much in common:

Firstly, structure: Our three main tracks are similarly shaped: Exploratory research (and literature review), development of study programs and the application of the latter.

Secondly, YaM and WLL have a similar approach when it comes to methods and the idea of new media literacies: YaM proactively engages different groups in discussions and involves young people from the beginning. This inclusive, equal leveled research completely matches our approach to  such a project. What we found in Graz out after the first months and what seems to be central for web literacy is the ability to evaluate the character of information as well to create and share content in a network. The YaM has also emphasized these fields of competence.

What is different (among many other things such as: project size, impact expectation and scale) is the target group: We focus on employees and adult people, some of whom can be regarded as digital illiterates. Although,  in a later project phase, we plan to develop curricula forthese people,  we do not intend to stop there.  Later-on we want to turn to the digital avant-garde and digital natives. I starting out with adult employees in general we hope to get a definition and a clear understanding of the set of skills which constitute web literacy.

By describing the similarities and differences of the Youth and Media Lab and the Web Literacy Lab I hope I could clarify and underline my reasons for applying to the Youth and Media Lab. In addition, my PhD thesis is also in the field of (data driven) literacy. But for the sake of brevity, I will not go into any details here. At Web Literacy Lab in Graz we are still at the beginning. I am sure, my summer internship at the Youth and Media Lab could lead to mutual benefit – I could extend my field of knowledge and methods, the YaM would certainly get an enthusiastic and hardworking intern.

Background information for Non-Berkman staff:

I am applying for Berkman Center’s Summer Internship Program. This is my contribution for the second and final application round. Please keep your fingers crossed. In the past days and weeks I have been intensively following the Youth and Media Project, which is hosted at the Berkman Center for Internet and Society in Harvard. I have been aware of the project for quite some time because I am subscribed to danah boyd’s blog and publications since the first steps in my diploma thesis. The project came back to my mind when I saw Urs Gasser, the project’s principal investigator (together with John Palfrey), at last year’s Forum Alpbach [PDF] where he presented the core findings of a book on digital natives, which he had co-authored. The Youth and Media Project consists of five divisions. They all deal with young people’s media use and content production each of them with a unique aspect and scale. The chief project among the subprojects is the Youth and Media Lab.

Frisch vermählt: Regierungsdaten und Onlinejournalismus

Ein Artikel für dritte Ausgabe des Open Government Digest. Die lektorierte und etwas gekürzte Version lässt sich im PDF des Magazins nachlesen. Die Verlinkungen und Quellenangaben folgen in den nächsten Tagen.

“Ab jetzt wird zurückgerechnet”, sagt die deutsche Wissenschaftlerin und Journalistin Mercedes Bunz und sieht eine neue Möglichkeit heraufdämmern, die Mächtigen zu kontrollieren. “Datenjournalismus” heißt das Wort der Stunde. Vorbei die Zeit als Medien und Zivilgesellschaft der vermeintlichen politischen Unausweichlichkeit wenig entgegenzusetzen hatten. Möglich machen es offene Regierungs- und Verwaltungsdaten und engagierte Onlinepublizisten. Dabei verändern sich auch die Spielregeln für Journalisten.

Ein deutscher Grünpolitiker klagt seine Vorratsdaten (also keine offenen Regierungsdaten, sondern seine eigenen personenbezogene Daten) von der Telekom ein und lässt diese von Zeit Online visualisieren und publizieren: Über ein halbes Jahr hinweg kann das Leben des Politikers in jeder Minute per interaktiver Karte nachvollzogen werden. Die nüchterne Darstellung verbildlicht die Gefahren der Vorratsdatenspeicherung wie kaum eine andere Form des Informationsdesigns.
Die New York Times kombiniert die Arbeitslosenstatistik mit demographischen Daten, und es entstehen bisher ungesehene Graphen, die soziale Ungleichheiten in den USA aufzeigen. Ein schwarzer Jugendlicher ohne Schulabschluss ist durchschnittlich fast doppelt so häufig arbeitslos wie ein weißer.
Die genannten sind nur zwei von einer mittlerweile unüberblickbaren Zahl an Datenjournalismusprojekten, die die Redaktionen der MSNBC, der Los Angeles Times, des Guardian, der BBC und einiger anderer Medien durchführen. Viele der Medien haben eigene Ressorts gegründet, die sich allein der Anatomie und (interaktiven) Verbreitung von Daten widmen.

Was ist neu am Datenjournalismus?

Die Bezeichnung “Datenjournalismus” ist schwammig, meint sie doch, wie Lorenz Matzat feststellt, einerseits eine Recherchemethode von Onlinejournalisten, andererseits eine spezifische mediale Veröffentlichungsform, ein eigenes Genre. Datenjournalismus ist darüber hinaus zugleich ein Mindset: Die wenigsten Datenjournalisten sehen sich als traditionelle Journalisten, sondern bezeichnen sich lieber als Hacker oder Informationsarchitekten.
Bei aller Unbestimmtheit gibt es dennoch einen Definitionsansatz. Der Brite Paul Bradshaw hat ihn herausgearbeitet: Die Daten, auf denen Datenjournalismus fußt, müssen strukturiert sein und von Computern verarbeitet werden können. Die Tabelle ist der Ausgangspunkt der (computerbasierten) Recherche und die Basis für die jegliche weitere Darstellungsform – ob interaktive Visualisierung oder Mutlimedia-Reportage.
Klar ist, dass sich daraus Konsequenzen für die journalistische Praxis ergeben: Der Umgang mit diesem neuen Typ von Quelle muss von so gut wie allen aktiven Journalisten erst erlernt werden – data literacy wird in Zukunft zur Schlüsselqualifikation in Redaktionen avancieren. Darüber hinaus ändert sich das Erzählen: Die stringente Geschichte mit menschlichen Protagonisten sowie Anfang und Ende tritt in den Hintergrund, die Berichterstattung dreht sich um Fakten und Akten.

Prozessjournalismus und Crowdsourcing

Immer öfter kommt es zu Mischformen zwischen Datenjournalismus und diversen anderen neuen Formen des Onlinejournalismus, etwa dem Prozessjournalismus: Bei diesem gipfelt die Berichterstattung nicht in einem fertigen Artikel, vielmehr wird ein Beitrag schnell online gestellt und anschließend erweitert und verbessert. In der Kombination mit Datenjournalismus wird für die Berichterstattung nicht mehr auf statisches Material zurückgegriffen, der Redakteur zieht permanent Daten aus aktualisierten Streams heran.
Oder Datenjournalismus verknüpft mit Crowdsourcing: Sind die Datenmengen für eine Redaktion allein nicht bewältigbar, dann lagert sie diese Aufgabe aus: Die Dateien werden online gestellt, interessierte Internetuser kümmern sich um die Exploration der Datenberge. So geschehen ist dies etwa bei einer der ersten Sternstunden des modernen Datenjournalismus, im Sommer 2009: Damals stellte der britische Zeitung Guardian 170.000 Spesenbelege britischer Abgeordneter online. 20.000 Leute durchforsteten die Belege auf verdächtige Inhalte, innerhalb kürzester Zeit war ein systematischer Missbrauch von Steuergeldern aufgedeckt, der zu Rücktritten und politischen Reformen führte.

Was Datenjournalismus sicher nicht löst, ist das Finanzierungsproblem für unabhängige professionelle Berichterstattung abseits der Nische. Für die penible Kontrolle der Politik, diese in einer Demokratie so lebensnotwendige Aufgabe, liefert auch Datenjournalismus kein Geschäftsmodell. Im Gegenteil: Datenjournalismus ist kostspieliger als viele andere Formen der Berichterstattung. Die Journalisten arbeiten meist in Teams gemeinsam mit Programmierern, Statistikern oder Grafikdesignern. Und derartige Stellen sind teurer als die in Onlineredaktionen so gern beschäftigten “Contentmanager”, die ohne Journalisten-Kollektivvertrag in fordistischer Manier Meldungen vom Agenturfließband ins CMS klopfen.

Auf dem weg zur europäischen Agenda

Das Geld bleibt also weiterhin knapp, ein anderes Hoffnungsfenster tut sich aber durch Datenjournalismus auf: Der Strukturwandel hin zu einer europäischen Öffentlichkeit. Diese scheiterte bislang unter anderem, weil eine gemeinsame Sprache fehlte – auch Englisch funktioniert nur in bestimmten Bildungsschichten flächendeckend. Die Sprache öffentlicher Daten hingegen ist für viele Bereiche universell und wirkt damit einigend. Visualisierungen auf Grundlage von Daten, die von kontinental bis hyperlokal skaliert werden können, bringen Themen in ihren Details und ihrer ganzen Tragweite aufs Tapet. Die Aufgabe des Datenjournalisten dabei: Er analysiert, ordnet ein und stellt einen Bezug für seine Leser her. Wie so etwas abläuft, hat sich zum Beispiel bei der Aufarbeitung der Wikileaks-Depeschen gezeigt: Riesige Datenmengen wurden auf lokale Vorfälle heruntergebrochen, die immense Dimension der Geschichte blieb trotzdem erhalten. Ähnliche Prozesse werden wir in Zukunft öfters erleben, wenn etwa mithilfe von Finanz- oder Umweltdaten über Skandale berichtet wird. Trotz lokalem Fokus behauptet sich das Gesamtbild. Der Weg zur vereinten europäischen Agenda ist dann noch immer weit, der Datenjournalismus jedoch trägt seinen Teil zur Abkürzung bei.

Wikileaks: Enttarnungen im neuen Cyberkrieg

Folgender Gastkommentar von mir erschien in der Tageszeitung “Die Presse”, online am 16. Dezember 2010, in der Printausgabe am Tag darauf.

Der Krieg im Netz ist alt und seine vielfach anonymen Truppen sind nicht immer böse. Eine überhitzte Debatte braucht Abkühlung.

Die Faxgeräte bei Amazon, Mastercard und Visa laufen dieser Tage heiß. Die Papiere, die sie meterweise ausspucken, sind keine Beschwerden unzufriedener Weihnachtseinkäufer – es sind Kopien jener Diplomatenberichte, die WikiLeaks unlängst veröffentlicht hat.

Diese vergleichsweise harmlose und zugleich humorvolle Protestaktion ist eine von vielen Antworten auf die Weigerung dieser Konzerne, mit WikiLeaks zusammenzuarbeiten. Eine weitere Reaktion war der Angriff auf deren Webserver vor einigen Tagen. „Der Spiegel“ und zahlreiche Kommentatoren sehen bereits einen neuen „Cyberkrieg“ heraufziehen. Über „Anonymous“, so nennt sich die „Armee von WikiLeaks“, kursieren allerlei Gerüchte und Halbwahrheiten. Höchste Zeit, mit einigen Vorurteilen aufzuräumen – und andere zu bestätigen.

Kein linksextremer Trupp

Die Falschannahmen Nr.1 bis 3: Anonymous ist ein Trupp linksextremer Hacker. Dreimal unrichtig. Zunächst zur Vorstellung, dass es sich bei den Angreifern um einen Trupp, eine geschlossene Gruppe handelt: Anonymous ist ein fluktuierendes Onlinekollektiv.

Niemand – auch Anonymous selbst nicht – weiß, wie viele Menschen dabei sind. Jeder kann teilnehmen, es gibt kein Aufnahmeprozedere und keine Anführer, wohl aber Plattformen, auf denen anonym kommuniziert wird. Die Medienwissenschaftlerin und Bloggerin Jana Herwig vergleicht Anonymous mit einer Maske, die sich jeder jederzeit überstülpen kann.

Wie ist so ein Zusammenschluss handlungsfähig? Ganz einfach: Jemand schreit lauthals eine Idee heraus – finden sich genug andere, die diese Idee gutheißen, dann wird sie umgesetzt.

Auch wenn Anonymous gegen staatliche Behörden und Konzerne kämpft, ist Anonymous nicht primär links. Vielmehr eint Anonymous der Glaube an die absolute Transparenz und der Wille zur Agitation. Das Spektrum der Anhänger reicht von Anarchisten über Verschwörungstheoretiker und rechte Libertäre bis hin zu ideologiefreien Internet-Kids. Auf der Plattform 4chan.org, einem ihrer wichtigsten Foren, finden sich zahllose sexistische, rassistische und demütigende Inhalte – Auswüchse, die selten „linken Gutmenschen“ einfallen.

Nur die wenigsten der anonymen Aufrührer sind Hacker oder sehen sich als solche. Online kursieren Anleitungen und Programme, mit deren Hilfe man sich an den Protesten beteiligen kann – ein wenig Medienkompetenz und Zeit vorausgesetzt.

Jahrelange Auseinandersetzung

Falschannahme Nr.4: Wir haben einen neuen „Cyberkrieg“. Die „Operation Payback“, eine von mehreren Aktionen gegen die WikiLeaks-Repressionen, gibt es nicht erst seit September 2010, also lang vor den Veröffentlichungen der diplomatischen Depeschen.

Vor den WikiLeaks-Gegnern hatte Anonymous die Urheberrechtsindustrie angegriffen. Die Aktion reiht sich ein in jahrelange Auseinandersetzungen, bei denen es um Freiheit und Restriktion im Internet geht. Die meisten Attacken von Anonymous zielen auf Webserver ab, bleibender Schaden entsteht selten.

Vielerlei Protestformen

Die Serverattacken sind eine von vielen Protestformen. In zahlreichen Ländern hat sich der virtuelle Protest bereits auf die Straße verlagert, indem beispielsweise WikiLeaks-Dokumente als Plakate angebracht wurden.

Auch in Österreich könnte es bald so weit sein. Wir alle sind ein Teil von Anonymous, wenn wir die Depeschen lesen und ihre Inhalte in die Welt tragen, egal ob offline oder online.

Besonderer Dank sei abschließend Jana Herwig und Max Kossatz entgegengebracht. Deren fundierte Blogposts über Anonymous waren äußerst hilfreich in der Recherche und belegen meine Annahmen. Auch herzlich gedankt sei  Thomas Thurner, ohne dessen Anregung dieser Beitrag nicht zustande gekommen wäre.

ProdUsers, Do Not Forget The Machines

Dies ist ein Beitrag zur Blogparade von twenty.twenty. Am kommenden Dienstag, den 30.11.2010, findet im Wiener Hub eine Podiumsdiskussion zum Thema “We ProdUSE. Medienproduktion und Mediennutzung in 2020″ statt.

“You’re tweeting, man.” “I ain’t got time to tweet.”
Entnommen und adaptiert aus Predator (1987)

Einmal Google-Search-Button. Wir produzieren. Ein Facebook-Like. Wir produzieren. Push Retweet. Wir produzieren. Mit jeder einzelnen Aktion im Netz generieren wir Material. Fishing for Reaction teilen wir exklusiv mit Datenkraken sowie Freundinnen und Freunden, setzen wir Links in Status-Updates und posaunen in den Äther. Wir? Das ist nicht allein Kollektiv von Menschen. Produsers, do not forget the machines.

Wenn wir “produsen”, dann ist das nur bedingt kreativ, in erster Linie filtern und empfehlen wir mediale Werke anderer: Identitätsarbeit und Reputationsmanagement mithilfe digitaler Ressourcenallokation. Sharen, Liken und Retweeten fällt sowohl in Bereich der Medienproduktion als auch in jenen der Mediennutzung. Daraus lässt sich ableiten: Diese Unterscheidung funktioniert im Web nur mehr mangelhaft. Wer nutzt, produziert. Wer produziert, nutzt. No more one way.

Die 1%-Regel, nach der gerade einmal 1 Prozent der Mitglieder von Online-Communities den Content beisteuern und der Rest (relativ) passiv “lurkt”, erscheint vor diesem Hintergrund hinterfragbar. Content, egal ob mikro (als Leseempfehlung) oder makro (als Blogpost), wird massenhaft und von allen Usern im Social Web abgesetzt. Bewusst und unbewusst.

Zugleich geht bei dieser riesigen Datenakkumulation unter, wer gemeinsam neben den “Produsern” die eigentliche Hauptarbeit leistet: Die realen und virtuellen Maschinen. Die wenigen Zeilen Code, die sich hinter einem Facebook-Like-Button verbergen, verbinden die eigene Online-Repräsentation mit zahlreichen sozialen Objekten [via]. In der englischsprachigen Wikipedia zeichnen Bots für einen Großteil der Änderungen verantworlich. Sie bewahren Wikipedia vor Trollen, bessern Rechtschreibfehler aus oder archivieren alte Diskussionen.[1] Würden bei Google einmal die Crawler streiken, die permanent Website um Website durchforsten, das WWW wäre innerhalb kürzester Zeit unbenutzbar.[2] Die Liste der nichtmenschlichen Akteure, die unser Agieren im Web erst möglich machen, ist lange fortsetzbar.

Wenn sich Axel Bruns in seinem Entwurf des Produsage-Konzepts allein auf Menschen konzentriert und die Technik zum Werkzeug degradiert, dann greift das noch zu kurz. Einerseits denken wir dadurch ständig in projizierten Potenzialen (“Durch Twitter können wir …”, “Mithilfe von Facebook haben wir die Möglichkeit …”, …); andererseits nimmt es zu wenig auf die tatsächliche Rolle Rücksicht, die Technik in der Online-Medienproduktion und -konsumption spielt. Technik ermöglicht nicht nur den Austausch, sie ist ein aktiver Teil davon.


[1] Isabell Otto, Das Soziale des Social Web. Erkundungen in Wikipedia. In: Sprache und Literatur 104 (2009). S. 45-57.
[2] Theo Röhle, Der Google-Komplex. Über Macht im Zeitalter des Internets, 1. Aufl. (Transcript, 2010). S. 87ff.

Das 25+ Couchsurfing

Edles Couchsurfing für die Generation 25+: Benji Lanyando berichtet in der NYT über einen neuen Trend bei der Buchung von Zimmern und Apartments: Social Bed & Breakfast Networks oder Peer-To-Peer-Hotels nennen sich Webseiten, auf denen Reisende und private Anbieter von Unterkünften zusammenkommen.  Dabei findet man die Gemütlichkeit eines Hotels zum Preis einer besseren Jugendherberge. 

Couchsurfing: Gut für Erstkontakt, kaum Ruhe und Privatssphäre
Bis vor wenigen Jahren war ich ein begeisterter Couchsurfer. Ich übernachtete bei Couchsurfing-Hosts, brachte Geschenke und kochte zum Dank für die Gastfreundschaft. Dennoch war ich nicht vollends überzeugt: Erstens gab es meist wenig Privatsphäre und Ruhe. Und zweitens hatte ich manchmal ein schlechtes Gewissen, denn mein Eindruck war: Als Gastgeber gibt man meist viel mehr als man von seinem Gast bekommt. Bisher hat etwa noch kein Host meine Rückeinladung nach Wien oder Graz angenommen, wohl auch, weil die zwei, drei Tage, die ich in einem fremden Apartment verbrachte, zu kurz waren, um eine tiefere Freundschaft zu schließen. 

So nutzte ich Couchsurfing lieber, um in fremden Städten Leute mit ähnlichen Interessen zu treffen. Ich wohnte aber gegen Bezahlung in einem Ho(s)tel oder angemieteten Apartment. Mit einigen meiner Couchsurfing-Kontakte pflege ich bis heute gute Freundschaften. Couchsurfing hat sich für die erste Kontaktaufnahme wirklich bewährt, auch wenn sich die weitere Pflege der Freundschaften auf Facebook ausgelagert hat. 

Peer-To-Peer-Hotels
In den letzen zwei Jahren entwickelten sich nun Webseiten wie AirBnB.com oder iStopOver.com, bei denen man gegen Bezahlung in Zimmern und Wohnungen 
übernachten kann. Die Plattformen entstanden, weil bei Groß-Events die lokalen Hotels meist voll waren und Privatpersonen einsprangen und sich noch etwas dazu verdienten. Die Preise von Peer-To-Peer-Hotels liegen dabei weit unter dem Marktpreis von gleichwertigen Unterkünften. Das liegt unter anderem daran, dass kräftig mitverdienenden Vermittler wie Tiscover oder Expedia zunehmend vom Verkaufsprozess ausgeschalten werden. Diese Anbieter machen jetzt die Erfahrung, die etwa Zeitungen oder Immobilienmakler bei Craig's List machen mussten.
Fragwürdig ist indes der gesetzliche Hintergrund: Besitzen die Zimmer-Vermieter eine Konzession? Ich kann mir gut vorstellen, dass die kommerzielle Vermittlungskonkurrenz bald zu Klagsmitteln greifen könnte, um derartige Plattformen zu verhindern.  

Für mich ist klingt aber diese Art in der Fremde zu übernachten indes ganz gut: Ich habe  Privatssphäre, kein schlechtes Gewissen, keinen Massentourismus und einen günstigen Preis. Für die nächste Reise lohnt sich also durchaus eine Unterkunftsrecherche auf diesen Seiten. 

In Wien gibt es derzeit noch sehr wenige Personen, die ihre Unterkunft anbieten: Crashpadder findet nichts, Roomorama sowie (das kommerzielle) iStopOver nur 1, AirBnB immerhin 32 (auch wenn einige davon in Tschechien liegen). 

Workshops & Events begleiten mit Posterous – Erfahrungen von der Medienwerkstatt in Deutschlandsberg

Medienwerkstatt Radio

Photo by Tobias Stadler.

Von 2. bis 6. Jänner habe ich gemeinsam mit Sarah Seekircher, die bei FM4 als Redakteurin arbeitet, einen Workshop über Radiojournalismus gehalten. Teilgenommen haben Jugendliche aus Oberösterreich. Inhaltlich haben wir uns unter anderem mit Umfragen, Interviews und gebauten Beiträgen auseinandergesetzt.
Das genaue Programm wie auch alle anderen Inhalte des Workshops sind hier ersichtlich.

Da wir mit unterschiedlichsten Medientypen arbeiten würden – unter anderem haben wir im Workshop für jeden Abend eine Radiosendung produziert –, haben wir uns vorweg überlegt, welche Plattform sich für die Dokumentation am besten eignen würde. Schnell kamen wir dabei auf Posterous, von dem ich nicht erst durch seinen Einsatz bei Civilmedia09-Konferenz in Salzburg überzeugt worden war.

Posterous ist ein E-Mail-Blogsystem und schnell erklärt:
1. E-Mail abfassen und senden an post@posterous.com
# der Betreff wird zur Titelzeile, der Body zum Inhalt
# angehängte Mediendateien werden angezeigt
2. die Seite ansehen
# alle Inhalte der E-Mail werden umgerechnet und im Blogbeitrag angezeigt

Das Posten von Blogbeiträgen via E-Mail ist eigentlich ein alter Hut. Überzeugt hat mich Posterous deshalb, weil es so schnell, einfach und für alle Mediendateien geeignet ist. Auch HTML-Code (wie z.B. ein YouTube-Video oder ein eingebetteter Live-Stream) kann gepostet werden. Für die (Live-)Dokumentation von Workshops, Events oder Lehrveranstaltungen also wie geschaffen.

Das Covern von Events (fast) in Echtzeit spielt jetzt schon eine wichtige Rolle und wird bald ein noch zentralerer Teil von Event-PR werden. Ein anderes Mal werde ich noch über Erfahrungen im Clubkontext schreiben – vorweg schon einmal Buzz-Word: Social-Media-Jockey.

Für die exzellente Organisation zeichnete sich die SJ Linz verantwortlich, die die Medienwerkstatt bereits zum 15. Mal veranstaltete. Über 150 Jugendliche aus Oberösterreich nahmen daran teil. Weder Sarah noch ich sind mit der SJ Linz oder einer ihrer Partnerorganisationen assoziiert. Wir wurden aufgrund unseres Hintergrunds (FM4, FH JOANNEUM) dafür gebucht.

Das Cover von Misiks neuem Buch – und sein Vorbild

Robert Misik – Politik der Paranoia

“Das neue Cover vom Misik, das hab ich schon mal wo gesehen”, hab ich mir in den letzten Wochen immer wieder gedacht. Eben ists mir eingefallen:

Heinz Strunk – Fleisch ist mein Gemüse

Von einem Plagiat kann man wohl noch nicht sprechen. Aber dass sich der Coverdesigner von Robert Misiks Buch ein wenig Inspiration beim 2004 erschienenen Titel von Heinz Strunk geholt haben wird, das lässt sich kaum abstreiten. Neben dem Geweih sind auch noch der helle, beige Hintergrund und die rote, zentrierte Schrift, Anzeichen dafür, dass es sich nicht um einen Zufall handelt.

Die Beiträge von Robert Misik schätze ich trotz alledem. Den Staatspreis für Kulturpublizistik, den er übermorgen erhält, hat er verdient. Mir würde keinE besserereR KandidatIn einfallen.

Online-PR in Theorie und Praxis

Ende Jänner besuchte ich die Hochschule Darmstadt, wo sich eine Fachtagung mit dem Potenzial von Online-PR befasste. Im Folgenden meine zusammengefassten Notizen von der Konferenz, ursprünglich verfasst für die Homepage der FH Joanneum.

Wenn eine Tagung “Zukunft Online-PR” heißt und von einer Fachhochschule organisiert wird, dann ist klar: Nicht allein Wissenschaftler sind das Zielpublikum; diese Veranstaltung richtet sich auch an Praktiker.
Dementsprechend bunt gemischt war am 29. Jänner die Zuhörerschaft am Campus Dieburg der Hochschule Darmstadt. Das Spektrum reichte dabei von Unternehmenssprechern über PR-Agentur-Mitarbeiter bis hin zu Technikern und Sozialwissenschaftlern. Auch die Vortragenden wiesen völlig verschiedenen Erfahrungshintergrund auf. Ein Fazit zu ziehen, fällt deshalb schwer, vielmehr soll auf die herausragenden Momente der Tagung hingewiesen werden. Vom Studiengang, an dem ich arbeite, nahmen neben mir Heinz Wittenbrink, Karlonie Lorber, Joe Puschitz und Michael Thurm teil. Am Nachmittag leitete Heinz Wittenbrink einen Workshop zum Thema “RSS – Inhalte jenseits der Website zugänglich machen”.

Öffentlichkeit 2.0

Doch beginnen wir am Anfang: Den wissenschaftlichen Einstieg machte Thomas Pleil von der Hochschule Darmstadt. Vier seiner Studierenden hatten die Veranstaltung höchst professionell organisiert. Pleil referierte über “PR der Zukunft: Was bring das Netz?” . Er beantwortete diese Frage für drei Bereiche: die PR-Praxis, die PR-Forschung und die PR-Ausbildung. Bemerkenswert ist Pleils Modell von Öffentlichkeit 2.0 aus Perspektive der PR.

Öffentlichkeit 2.0 (© Thomas Pleil)

Öffentlichkeit 2.0 (© Thomas Pleil)

Öffentlichkeit 2.0 funktioniert anders als die (immer noch präsente) Öffentlichkeit 1.0, in der die Botschaft über Journalisten und Massenmedien zur jeweiligen Stakeholder-Gruppe gelangt. In der Öffentlichkeit 2.0 wird die Rolle des Journalisten als Gatekeeper ergänzt. An seine Stelle tritt ein “Vormedialer Raum”, gemeint sind damit Blogs, Microblogs, Foren, Bewertungsseiten, Social Networks, etc.. Alle Protagonisten der Öffentlichkeit 2.0 empfangen und senden – auch die Stakeholder, die im Konzept der Öffentlichkeit 1.0 ausschließlich empfangen.

Die Online-PR von Greenpeace und Daimler

Volker Gaßner erläuterte die “Online-Strategie von Greenpeace ” in Deutschland und wies auf mehrere Kampagnen und Projekte der Umweltschutzorganisation hin. So etwa Greenpeace TV, das noch im Beta-Stadium ist. Das Videoportal zeigt Berichte über Kampagnen und Werbespots in HD. Erstmals öffentlich präsentiert wurde das sich noch in Entwicklung befindende Greenpeace-Social-Network (Site noch Offline). Ähnlich wie die Wahlkampfseite von Barack Obama soll “Green Action” neben den üblichen Social-Network-Funktionalitäten ermöglichen, dass die die Basis selbst Kampagnen entwickeln und durchführen kann. Greenpeace agiert dort, wo die Zielgruppe ist: in bestehenden Social Networks wie Facebook oder MySpace oder via YouTube. Ein amüsantes Beispiel für eine Mini-Kampagne via YouTube ist die Videoantwort von Greenpeace auf einen Werbespot von Mercedes.

Dieses Beispiel war gut gewählt, denn im Anschluss an Volker Gaßner sprach ein Vertreter der Daimler AG, die bekanntlich mit Mercedes assoziiert ist. Uwe Knaus leitet den Bereich Web Communications bei Daimler und erzählte in Dieburg über seine Erfahrungen, wie bloggen im Konzern funktioniert. Bei Daimler bloggen Mitarbeiter aus verschiedensten Abteilungen. Das Medium hat sich als Tool sowohl für interne als auch für externe Kommunikation bewährt. Allerdings funktioniert der Workflow nicht optimal: Die Autoren des Weblogs schreiben ihre Beiträge in einem Textverarbeitungsprogramm und schicken diese per E-Mail an ein Redaktionsteam, das die Inhalte in das Weblog stellt. Es wäre wünschenswert, wenn die Mitarbeiter geschult würden, selbst mit einem Blog umzugehen.

Persönliche Öffentlichkeiten

Den Abschluss der Tagung gab Jan-Hinrik Schmidt mit seiner Präsentation “Öffentlichkeit im Wandel: Das bringt das Netz!”. Schmidt ist Soziologe und arbeitet am Hans-Bredow-Institut für Medienforschung in Hamburg. Unter anderem gab er Einblicke in die Nutzungsmotive von Social Network Sites. So würden die meisten Personen Seiten wie Facebook oder MySpace nützen, um ihre Beziehungen pflegen, nicht um neue Leute kennen zu lernen. Genannt sei darüberhinaus Schmidts Idee von persönlichen Öffentlichkeiten, die sich durch Social Media bilden. Dabei geht es darum, dass jede Person, die sich im Web 2.0 bewegt, ihre Identität, ihre Beziehungen und ihre Informationen managen muss. Welchem Personenkreis zeige ich welches Bild meiner Person? Trete ich mit meinem richtigen Namen auf? Welche Informationen von mir gebe ich bekannt? Das alles sind Fragen, die jeder Internetnutzer für sich selbst beantworten muss und die auch für die PR relavant ist. Als Gesellschaft, so Schmidt,  würden wir uns derzeit über die Routinen, Konventionenn und Erwartungen im Umgang mit persönlichken Öffentlichkeiten verständigen.

Die Tagung im Netz

(cc) Michael Thurm

(cc) Michael Thurm

Eine Konferenz, die sich mit Social Media und Kommunikation auseinandersetzt, muss Social Media und Kommunikation natürlich auch leben. Dementsprechend präsent war die Tagung in den einschlägigen Web-2.0-Services. Die Präsentationsfolien der Referenten finden sich bei Slideshare. Bilder wurden via Flickr hochgeladen. Getwittert wurde via Hashtag #ZOPR. Eine  Videozusammenfassung ist auf YouTube online. Eine Sammlung der Blogbeiträge sind bei delicious bzw. via Google Blog Search / Technorati einsehbar.  Hervorzuheben ist dabei INJELEA, der Teile der Veranstaltung in Echtzeit gestreamt hat – die Aufnahmen sind dort noch einsehbar. Open Source PR und PR-Fundsachen haben die Vorträge live mitgebloggt.

Mercedes Bunz in Graz

Das Aufeinandertreffen mit Mercedes Bunz gestern an der FH Joanneum hat mich daran erinnert, dass ich neben meiner Soup auch noch einen Blog habe – und der nicht ganz verweisen sollte.

Mercedes Bunz hat zum Thema “Was aus der Popkultur im Internet geworden ist” referiert. Vom Flyer-Text:

Immer wieder gab es in der Geschichte der Popkultur Menschen, die sich zusammenschlossen, um Dinge anders zu gestalten. Das Internet hat neue Vertriebsmöglichkeiten geschaffen, jedoch auch soziale Beziehungen transformiert. Freunde sind heute immer auch Arbeitszusammenhänge. Dinge anders zu machen, wird praktisch erwartet.
Der Vortrag wird diese Transformationen aufmerksam beobachten, sich dabei jedoch keineswegs mit hängendem Popkulturkopf in die Ecke trollen. Es gibt weiterhin Wege, die Widersprüche des digitalen Kapitalismus zu surfen. Are you loneley? Tired of working on your own? Do you hate making decisions? Hold a meeting!

Ähnlich wie schon Diedrich Diederichsen ein Monat davor hat Bunz zunächst eine chronologische Herangehensweise gewählt, um das Thema zu erörtern. Popkultur war ab den 60ern vor allem Jugendkultur; eine Kultur für mehr Selbstbestimmung; eine Kultur, die sich definierte durch Widerstand gegen die Eltern und das System der (Fabriks-)arbeit.

Das Aufkommen des Internet ändert natürlich auch Popkultur und deren Konsumenten bzw. Repräsentanten. “Das Internet öffnet neue Vertriebswege für Popkultur”, sagt Bunz. Jeder könne sich entscheiden, wie angepasst er agiere. Ob er sich im Long Tail verstecke oder eine Weile auf der Welle der Massenkultur reite.

Einige Zitate aus dem Vortrag (und der anschließenden Fragerunde):

“Abweichung wird zur neuen Norm. Widerspenstigkeit wird entzogen.”
“Blogs sind im Grunde genommen nichts anderes als eine neue Form von Magazinen.”
“Was vorher drohte in einer kleinen Nische zu verrotten, kann durch das Internet in die Welt hinaus.”
“Freunde sind meine Konsumenten. Be my Comment.”

Mercedes Bunz bringt mehrere Beispiele, wie sich Popkultur im Internet manifestiert. Eine MySpace-Seite als Kunstprojekt des Künstlers Leandro Quintero. Ein wenig gehaltvolles Prada-Video mit Musik von Antony and the Johnsons bzw. Coco Rosie. Sowie das Londoner Design-Blog It’s Nice That.

Auf einen großartigen Text von Bunz in diesem Zusammenhang sei noch hingewiesen: Sozial 2.0: Herr, Knecht, Feind, Freund, erschienen im vergangenen Frühjahr im De-Bug.

PS: Ich hoffe, dass diese Zusammenfassung nicht zu sehr verkürzt ist. Berichtigungen und Ergänzungen in den Kommentaren sehr erwünscht. Das Team von JUKreiz hat die Lecture von Meredes Bunz gestreamt. Die Aufzeichnung des Streams ist allerdings noch nicht online abrufbar, sollte es aber hoffentlich demnächst. Update: Heinz hat seine Aufnahme der Lecture jetzt auch online gestellt.

Call for Postcards – Win a dinner!

Please send Postcards.

Gewinnen Sie jetzt und nur auf diesem Blog: Ein Abendessen mit mir, dem Autor dieser Zeilen.

Wie das geht? Lesen Sie weiter:

Senden Sie mir eine Postkarte an die unten stehende Adresse. Unter allen Einsendungen verlose ich am Ende des Sommers eine Einladung zu einem exklusiv guten Abendessen. Exotische Destinationen sind ein Pluspunkt, können aber durch Zeichnungen, ansprechende Sujets und anderes kreatives Zeugs locker wett gemacht werden. Diese Einladung ergeht auch an LeserInnen dieses Blogs, die ich nicht kenne. Sollte der Gewinn aufgrund der Entfernung oder anderer Umstände nicht eingelöst werden können, dann gibt es ein Jausenpaket mit Steirischen Spezialitäten (Kernöl, etc.).

Der Hinergrund? Mein unaufgeregter Sommer dauert an. Unaufgeregt deswegen, weil ich die meiste Zeit zuhause vor dem Computer verbringe und versuche, meine Diplomarbeit zu vollenden. Heute hat die Post eine Ansichtskarte aus Mannheim gebracht (siehe Bild, rechts). Ich habe sie gleich zu den anderen Karten gestellt, die ich in den letzten zwei Wochen erhalten habe. Da ist schon eine Karte aus Stavanger und eine aus Paris dabei. Die drei Personen, die bereits geschrieben haben, konnten sich bereits qualifizieren. Die Karten schmücken das Bücherregal, das gleich neben meinem Schreibtisch steht. Ungefähr alle 15 Minuten wandert mein Blick dorthin, um meine Gedanken in die Ferne schweifen zu lassen oder etwas aus einem Buch nachzuschlagen. In einem dieser Gedanken musste ich an Hillary und ihren verzweifelten Versuch denken, zu einem Abendessen zu kommen. Da wusste ich: Ich werde auch so etwas machen.

“Au ja, da mach ich mit”, werden Sie jetzt sicher denken. Noch Fragen? Hier die Adresse:

Julian Ausserhofer
Brückenweg 9
8071 Gössendorf
Österreich / Europa

Viel Glück!

Update, 8. August 2008: Eine weitere Karte ist heute eingetroffen. Aus Sarajevo.

Update, 27. August 2008: Weitere Karten sind in den vergangenen Tagen eingetrudelt, vielen herzlichen Dank dafür.
Alle Einsendungen kommen Ende September in einen großen Topf, aus dem ein unabhängiger Juror mit verbundenen Augen eine Gewinnerkarte ziehen wird. Mehrere Einsendungen pro Person erhöhen also die Gewinnchance. Die Anonymität des Jurors wird noch geheim gehalten. Es handelt sich jedoch nicht um mich selbst.

Richtig verlinken

vergrößerter link (via telepolis)

Wie, wann und wo setzt man Links richtig? Wann sind zuviele, wann zuwenige Verweise in einem Onlinetext? Auf Telepolis findet sich ein Artikel, der sich mit Links im Online-Journalismus auseinandersetzt. Der Text ist zwar etwas lang, aber aufgrund der vielen Beispiele sehr kurzweilig zu lesen. Allein die Praxis, wie in dem Text Links gesetzt werden, zeigt, wie es richtig geht. Die Informationsjunkie-Zusammenfassung gibts im Folgenden:

Warum die meisten deutschen Medien insbesondere das World Wide Web nicht adäquat nutzen, sondern oft nur den gedruckten Text ohne Links online stellen, kann kaum vernünftig beantwortet werden. [...]

Online-Journalismus, wenn man ihn ernsthaft betreibt, hat einen weitaus höheren Anspruch als der klassische Print-Journalismus: Er lädt die Leser ein, die Thesen der Autoren anhand der Quellen, die diese angeben und verlinken, zu überprüfen. Sie stellen sich fast in Echtzeit der Kritik. Online-Journalismus verlangt oft eine härtere und intensivere Recherche als die üblichen Artikel in der Tagespresse.

Das, was die New York Times schon lange Zeit anbietet, nämlich auf Lexika und Enzyklopädien zu verlinken, wird auch im Text begrüßt. Bei der New York Times öffnet sich per Doppelklick auf das markierte Worte ein weiteres Browserfenster mit Referenzen, die aus der hauseigenen Datenbank und verschiednenen Online-Wörterbüchern stammen.

Ein lexikalischer Link erklärt, was ein Begriff bedeutet und ist somit optional: Der Leser entscheidet, ob er das Wort kennt oder ob er es sich näher erläutern lassen möchte. Letzeres bietet der Autor als zusätzlichen Service des Textes an, weil er davon ausgeht, dass seine Informationen Rezipienten mit unterschiedlichem Wissenstand interessieren. Die Links ähneln hier den klassischen Fußnoten eines wissenschaftlichen Werkes.

Wieviel soll verlinkt werden? So oft wie nötig, aber nicht über das Maß hinaus: “In journalistischen Texten hat die Praxis von Wikipedia nichts verloren, jedes Wort, das im Online-Lexikon auftaucht, zu verlinken. Das machte [sic] einen Text unleserlich. ”

Die Regeln für richtiges Link-Setzen sind durchaus fundiert:

  • Der Text muss auch ohne Links lesbar, verständlich und informativ sein. [...]
  • Quellen müssen ausnahmslos verlinkt werden. [...]
  • Medien müssen dann verlinkt werden, wenn den Lesern nicht zugemutet werden kann, diese selbst zu finden. [...]

Wichtig auch: Die Unmittelbarkeit der Quelle beachten. Will heißen: Nach Möglichkeit soll der Ursprungstext verlinkt werden, nicht das Medium, das den Ursprungstext zitiert. (Dem Quellenvermittler kann man beispielsweise am Ende des Texts mit einem “via” danken).
Sollte eigentlich ebenso selbstverständlich sein: Links auf Inhalte und Erreichbarkeit überprüfen. Also beispielsweise nicht auf Wikipedia verlinken ohne zumindest den Anfang davon gelesen zu haben.

Orte, sofern relevant, beispielsweise mit Google Maps oder anderen Anbietern verlinken.

Gegen Ende geht es noch um einige Spezialfälle, wie z.B. geschlossene Systeme, Whois-Einträge, Usenet, Tracerouting, Links zu kommerziellen Seiten (z.b. Bücher bei Amazon).

Der Unterschied zwischen Online-Journalismus und Blogs liegt tendenziell im Haltbarkeitsdatum der Links. Für ein Blog ist es nicht unbedingt wichtig, dass die Links nach einem Jahr noch funktionieren. Ein journalistischer Text im Archiv eines Online-Mediums, dessen Links ins Leere führen, ist ärgerlich.

Und das Fazit:

Man kann eine Wette abschließen: Wer in fünf Jahren die Prinzipien des Online-Journalismus nicht beherrscht, immer noch keine Links setzt und sich nicht der direkten Konfrontation mit kritischen Lesern aussetzen will, der hat verloren. Das Gute wird sich durchsetzen.

Check it out: julian.mur.at

Meine Soup, auf der alles, was ich im Netz so von mir gebe, veröffentlicht wird, ist ab jetzt unter julian.mur.at zu erreichen. Alles, was mich online so beschäftigt – Blogposts, Bilder, Tweets, Youtube-Videos, etc. -, ist dort zu finden. Wenn Sie, werte LeserInnen, also an mehr als nur an diesem Blog interessiert sind, dann bitte ich Sie, den RSS-Feed meiner soup zu abonnieren.

Mit der Technik haben Ludwig und seine KollegInnen von mur.at gerungen, denen ich hiermit herzlich für die Hilfe danke. Es war kein einfaches Unterfangen, und sie haben es perfekt gelöst. Dankeschön!

Neue Links in YouTube Videos

Wow, ein weiteres großartiges Beispiel, wie Interaktion in einem bisher ausschließlich passiv genutzten Medium funktionierten kann: YouTube führt bei seinen Videos eine neue Form von Interaktivität ein. Wie im Bild zu sehen, gibt es bei manchen Videos die Möglichkeit, auf bestimmte Felder zu klicken. Hat man darauf geklickt, wird man zu einem anderen Video weitergeleitet. Es handelt sich also um einen Link nicht neben oder unter einem Video – sondern in einem Video.

Das Video, mit dem YouTube diese neue Möglichkeit illustriert, ist eher langweilig. Äußerst cool finde ich aber die technischen Möglichkeiten: Bisher kannte ich eine ähnliche Funktion nur bei einigen DVDs. Dort konnte man sich am Ende einer Szene aussuchen, was weiter passieren soll – und hatte dann zwei bis drei unterschiedliche Screenshots für die einzelnen Szenen zur Auswahl. Einen Live-Link in einem Video sehe ich aber zum ersten mal. Kann das jetzt schon jeder YouTube-Uploader einbauen? Ich freue mich schon auf die ersten interaktiven Kurzfilme, bei denen man die Entscheidungen der Protagonisten selbst bestimmen kann.

Ich könnte mir gut vorstellen, dass sich die Pornoindustrie nicht lange bitten lässt und auch etwas ähnliches entwickelt. Und auch die Werbung wird bald dafür Feuer und Flamme sein…

Ein Roman & Google Maps

google maps buch

Vor einigen Wochen habe ich von We Tell Stories berichtet, wo Kurzgeschichten mithilfe diverser Onlinewerkzeuge wie Twitter, Blogs oder Google Maps erzählt wurden. Jetzt bin ich via De-Bug auf ein Buch gestoßen, bei dem jede Doppelseite aussieht wie das Bild oben.

Der Promotext dazu:

Auf Basis von Google Maps wird parallel zu jeder Szene des Textes deren Handlungsort als exakte geografische Position bzw. jede Bewegung als animierte „Fahrt“ auf der Karte dargestellt. Der Leser des virtuellen Buches erlebt die geschilderte Handlung als „Reise über die Landkarte“ [...].

Der Roman (es handelt sich um “Senghor On The Rocks” von Christoph Benda) wurde mit Geodaten ausgestattet. Immer wenn ein Ortswechsel passiert, dann ändert sich auch das Bild auf der linken Seite.

Wenn ich richtig recherchiert habe, kommt die ganze Gechichte sogar aus Österreich. Props!

Souvenirs vom PolitCamp

Wie wars? Super. Ja, tatsächlich: Das erste österreichische PolitCamp hat mir wirklich bestens gefallen. Auch wenn ich nur einen Tag und eine Nacht dabei war. Tag zwei ist sich leider nicht ausgegangen. Ich möchte jetzt nicht einzelne Sessions kommentieren, das haben viele andere viel besser gemacht. Schneeengel z.B., der vom Webverständnis von Lisa Rücker, Grüne Grazer Vizebürgermeisterin, ähnlich enttäuscht war wie ich. Christoph Chorherr hat in seiner Session weit mehr Durchblick bewiesen als seine Parteikollegin.

Interessant auch das Resümee von Helmuth Bronnenmayer von datenwerk. Oder auch das offizielle Politcamp-Blog, das von hauptsächlich von StudienkollegInnen von mir aus den Jahrgängen 2006 & 2007 gefüttert wurde. Die zahlreichen Wortmeldungen in Form von Podcasts sind hörenswert – besonders (aber nicht nur) für jene, die nicht vor Ort sein konnten.

Toll waren auch Marion Tobola von Trimedia und Jörg Hofstätter von ovos, die mir in einer Solosession das Konzept und die Webseite von entscheidend-bist-du sehr freundlich und geduldig erklärt haben. Das Portal ist, was die technische Umsetzung betrifft, auf dem neuesten Stand. Und auch inhaltlich ist es wirklich ansprechend: Wenn sich Jugendliche und PolitkerInnen in Form von Speeddatings austauschen, dann finde ich das eine frische Idee für Partizipation.

Mein persönliches Highlight war die Session von Ton (englische Zusammenfassung). Weniger Politik, mehr Web 2.0 (aber das war nicht der Grund, warum ich seine Worte gut fand). Er hat authentisch beschrieben, wie er seinen Alltag organisiert. Stichwort: Informationsfilterung durch Personen. Ich hab eine Mitschrift von diesem Vortrag. Wenn Interesse besteht, bitte um eine E-Mail oder einen Kommentar. Schade, dass ich nicht mit Ton gesprochen habe. Es ist sich ganz einfach nicht ausgegangen. Hoffentlich ein anderes Mal. Ich lese sein Blog schon seit mehr als einem Jahr sehr gern und kann es nur empfehlen.

Die Abendveranstaltung im Space04 im Kunsthaus Graz, die was Musik und Visuals betrifft meine Session war (zusammen mit meinen VJ-Kollegen von montage savuage, Manü & Joh), hat ganz gut geklappt. Johannes von monochrom hat eine grandiose Performance gehalten. Die Auflegerei im Anschluss mit DJ konzert, den boogee basement DJs und den Johnny F. von den Bumm Bumm Boys war sehr fein. Das iKU (Kunsthaus Café) werde ich allerdings für einige Zeit meiden, trotz des schnellen WLANS. Gründe dafür gerne in einem persönlichen Gespräch.

Das kurz angelegte Fazit ist nun doch etwas länger geworden. Zwei Dinge möchte ich noch verlautbaren:

  1. Barcamps (und auch Politcamps) sind oft ein Diskutieren in Utopien. Jeder braucht Visionen, das streite ich nicht ab. Ich würde mich jedoch freuen, wenn das ständige “Wenn x passiert…” [if] “…dann ist y endlich möglich” [then] ersetzt wird durch Diskussionen, die sich mit realen Themen auseinandersetzen. Weg vom “Wir brauchen jetzt nur mehr x, damit ‘jemand’ y machen kann.” Hin zu “Wir haben x, damit lässt sich kreatives y bewerkstelligen”
  2. Ein herzliches Dankeschön an alle Beteiligen. Es hat wirklich Spaß gemacht. Ich hoffe, bis zum nächsten Jahr.

Schöne und viele Fotos gibts bei ton, christian, helge, heinz und basti (danke auch hier Schneeengel für die Linksammlung).

matrix auf Ö1 heute abend

Heute um 22.30 Uhr gibt es auf Ö1 eine matrix-Sendung zur Zukunft Sozialer Netzwerke:

[...] Bisher sind die meisten dieser Netzwerke jedoch abgeschlossene Welten, was Nutzer nicht selten zu einem Spagat der Online-Identitäten zwingt. Wer Freunde bei Facebook und Myspace hat, muss zwangsläufig zwei Profile auf dem Laufenden halten. Wer zusätzlich noch Twitter, Flickr, Del.icio.us und Youtube nutzt, verliert schon mal schnell den Überblick.
Eine Lösung dafür könnten offene soziale Netze sein, die den Austausch von Informationen über die Grenzen einer Plattform hinweg erlauben.

Erstes österreichisches PolitCamp

flyer politcamp front

Gleich fahre ich los zum Ersten Österreichischen PoltiCamp (Blog), das heute und morgen auf der FH Joanneum in Graz stattfindet.

Organisiert haben die Veranstaltung einige StudienkollegInnen aus dem Jahrgang 2006 zusammen mit Heinz und einigen anderen an den Studiengängen Journalismus und Unternehmenskommunikation und Informationsdesign.

Am Abend gibt es eine Party im Space04 des Kunsthaus, wo mein VJ-Kollektiv montage sauvage für die Visuals sorgen wird. Special Guest bei den Visuals: VJ Bobo! Mehr wird nicht verraten. Come & See.

Und wenn Sie das nicht überzeugt, am Abend in Scharen zum Kunsthaus zur besten BarCamp-Party aller Zeiten zu pilgern, dann ist es vielleicht der Umstand, dass monochrom eine Performance machen wird. Oder vielleicht dieses Legendäre Line-Up an DJs?

boogee basement DJs
ETEPETETE vs. Bumm Bumm Boys
DJ konzert

Es gibt Buffet!

springeight kann kommen

In wenigen Stunden beginnt in Graz wieder das springfestival. Ich muss heute länger wach bleiben, um morgen die ganze Nacht fit zu sein, wenn ich mit meinem VJ Kollektiv montage sauvage im Dom im Berg auftreten werde. Auch um etwas Zeit totzuschlagen dieser späte Eintrag.

DJ Mehdi

Visualisieren werden wir unter anderem die Mucke des legendären DJ Mehdi (Bild), Kopf des Pariser Braz-Labels Ed Banger. Auch mit dabei aus Frankreich Busy P (Ed Banger), – und grandios: Brodinski (Mental Groove).

Weiteres Highlight: marflow, der vor kurzem erst für Moby einen Remix hingelegt hat.

Hier der Timetable für Mittwoch, 21.05.08, Dom im Berg, Graz:

21:30h Bitz (A)
23:00h marfloW (A)
00:30h Punks Jump Up (UK)
01:30h DJ Mehdi (F), Busy P (F)
04:00h Brodinski (F)
Visuals: Montage Sauvage (A)

Be there or be square. Und bis zum Sonntag gilt dann: Geschlafen wird am Tag.

Multimedium New York Times

NYT

Die New York Times haben einen investigativen Report veröffentlicht, der aus medialer Sicht gleich doppelt interessant ist. Spiegel Online fasst den Inhalt des Texts schön zusammen:

Die US-Regierung hat laut “New York Times” Militärexperten führender US-Fernsehsender massiv beeinflusst. So wurde die Berichterstattung über Themen wie den Irakkrieg oder das Gefangenenlager Guantanamo im Sinne des Weißen Hauses gesteuert.

Die Steuerung der Berichterstattung durch das Pentagon ist eine Sache. Faszinierend und erschreckend zugleich, wie die Bush-Administration versucht, auf die öffentliche Meinung Einfluss zu nehmen.

Eine andere – und mindestens gleich spannende – Geschichte ist, wie die New York Times die Geschichte an die Öffentlichkeit bringen:

  1. Gedruckt in der dicken Sonntagsausgabe der NYT
  2. Aufbereitet im Internet

Konkret geht es mir um die multimediale Aufbereitung im Internet, die die Vorteile von TV, Radio und Internet geschickt nützt. Ich kann mir die ganze Geschichte wie ein interaktives Video ansehen. Im Report werden Audiointerviews ebenso präsentiert wie Fernsehnachrichtenbilder. Wird ein wichtiges Beweismittel erwähnt, kann ich das im Document Archive gleich selbst lesen und downloaden.

Die Berichterstattung wird durch diese unmittelbare Verfügbarkeit der Quellen (Interviews, geheime Dokumente, etc.) nachvollziehbarer. Weder Print, noch Fernsehen noch Radio sind zu einer Transparenz im Stande wie das Internet. Allein dadurch, dass ich auf das fokussieren, das mich interessiert, habe ich einen Vorteil gegenüber den Rezipienten von Print oder TV.

Ich hoffe, das war jetzt kein Herunterbeten altbekannter Weisheiten. Mir geht es um die Methode, wie die verschiedenen Medien in die Berichterstattung eingebunden werden. Und die ist hochgradig innovativ.

Another Way To Tell Stories

Jeff Jarvis provided an excellent link to a project by the British Penguin Publishers. It is called We Tell Stories. Six Authors. Six Stories. Six Weeks. The stories and the way they are told on this website are highly unusual – and I am really excited about.

The first story in the series tells a tale via Google Maps, another one uses Twitter and Blogs.

I also discovered an easter egg on the website. If you click on the rabbit at the left bottom of the page you are redirected to a blog, that might have something to do with a mysterious seventh story.

The company who created the project is called six to start and is based in London.

We create Alternate Reality Games (ARGs). ARGs use multiple media — the web, email, IM, mobile phones, radio, newspapers, TV and live events — to tell a story to hundreds of thousands of people, who can follow and influence the game in real time.
People are dividing their attention across more media than ever before. ARGs are the best way to tell a story that spans them all, and that’s what we’re experts at.

Could non-fiction stories or reports also be told like this? I truly think so. This could be an awesome concept also for news companies.

Is there anything like this in German? I would love so. I am really thinking about setting up something like this.

PS: Sorry for the long absence at this blog. If you read my tweets or – even better – my soup, you already know: I was on vacation in the United States for three and a half weeks. My English has improved (at least a bit, I hope) and this is why I have decided to write some of my blog entries in English again. Let’s see how long I will have fun with that.

"Blocher ist ganz anders als Haider"

Ein zu beachtendes Interview hat Roger Klöppel, Chefredakteur und Herausgeber der Schweizer Weltwoche, im Online-Standard gegeben. Klaus Stimeder vom Datum hat ihn gefragt. Klöppel verteidigt im Gespräch unter anderem seine Unterstützung für die weit rechts angesiedelte Schweizer Volkspartei (SVP) und ihren Vorsitzenden Christoph Blocher. Auch die publizistische Unterstützung für Bushs Irak-Feldzug wird argumentiert. Und warum die Schweiz und nicht Österreich Europameister wird… 

Quote of the day

“The Internet is both the result of and the enabling infrastructure for new ways of organizing collective action (…).”

Ein Zitat von Howard Rheingold in seinem Buch “Smart Mobs“, das ich gerade lese. Die Aussage gefällt mir deswegen sehr gut, weil es kurz und prägnant auf die unabdingbare Kooperations-Komponente des Internet hinweist. 

Das Grazer Metalab

In der Grazer Sporgasse 16 gibt es seit über einem Jahr ein Pendant zum Wiener Metalab, den Realraum. Es handelt sich um einen Treffpunkt für Elektronik- und Computerinteressierte. Ich schätze, dass im Gegensatz zu Wien der Fokus in Graz weniger auf Web2.0 und mehr auf Technik liegt. Ein richtiges Bild davon möchte ich mir aber erst vor Ort machen. Eine gute Gelegenheit bietet dazu die Geburtstagsfeier des Realraum am Freitag, den 7. März, ab 20.00 Uhr.

switch to soup.io

Noch einmal meta-Blogging: Ich habe das automatische tägliche Boomarking-Posting von del.icio.us auf meinem Blog wieder abgeschaltet. Das hat mehrere Gründe. Der wichtigste ist wohl, dass ich mehr im Internet veröffentliche als Bookmarks und Blogposts. Ich habe mich an den Service soup.io von c30 erinnert, wo ich jetzt meine Seite wiederbelebt habe. soup.io ist großartig.

Alle meine Blogposts, alle Bilder, alle Twitter-Messages, alle meine Videos und alles andere, was mir gefällt, werden ab nun auf meiner soup-Seite gesammelt und in einem Stream veröffentlicht. Statt meinem Blog-Feed empfehle ich Ihnen den soup.io-Feed zu abonnieren.

Kategorien adé

Bei einem Update der Datenbank meines Blogs sind gestern nacht die Kategorien aller Einträge verloren gegangen. Ich hoffe, dass ich noch etwas retten kann, bin aber skeptisch. Aber: Alle Texte sind wieder ohne fehlerhafte Anzeige der Umlaute zu lesen.

Webmontag in Graz

Der erste Grazer Webmontag- es handelt sich um eine Art Mini-Barcamp – hat gestern abend auf der FH Joanneum stattgefunden. Leider musste ich früher weg, doch ich empfand es als angenehm ungezwungen und erkenntnisreich. Nett, die Gesichter zu sehen, die hinter den einschlägigen Blogs und Webseiten stecken. Heinz hat die Inhalte zusammengefasst. Ich freue mich auf weitere Webmontage, die voraussichtlich monatlich stattfinden werden. 

Tweety und Twitter

 

 tweety

Photo by yanec on flickr.

Manchmal dauert es ein wenig, bis man 2.0-Wortspiele begreift. Gestern abend kam mir im Gespräch mit KollegInnen aus meinem Französischkurs die Erleuchtung, warum Twitter eigentlich Twitter heißt. Ich habe mich immer über den Namen gewundert, der im Deutschen doch nur einen Konsonanten von “Zwitter” entfernt liegt. Ganz einfach: Wegen Tweety bzw. dem englischen Wort für “zwitschern”- “to tweet” (”tweet” wird ja auch eine einzelne Twitter-Nachricht genannt).

Ich glaube (und hoffe), dass Twitter immer weiter weg kommt vom Image des Geek-Tools und bald von einer breiteren Schicht genutzt wird. Auch in Europa. Schließlich kann man es unter anderem dazu verwenden, gratis SMS zu verschicken. Wenn das kein Argument ist.

links for 2008-01-30

links for 2008-01-29

Der Dialekt und Udo Jürgens

Udo Jürgens heute im Ö1-Mittagsjournal:

”Wenn ich heute sehe wie Österreichische Pop-Künstler (…) großartig singen, fantastisch aussehen. Dann werden Sie zum Interview gebeten und sprechen einen Dialekt, dass man fast vom Stuhl fällt. (…) Da muss man vielleicht schon vorher sagen: Mädel, du wirst nie ein Engagement kriegen. (…) Jeder Mensch in unseren zivilisierten Ländern sollte eine Sprache perfekt beherrschen. Aber gar keine Sprache zu beherrschen, sondern nur seinen Heimatdialekt, ist Armut. Das muss man einfach ganz klar sagen.”

Ob Udo Jürgens damit seinem Stammpublikum aus dem Herzen spricht? Wohl kaum.

Video Blog von Howard Rheingold

Auf den neuen Video Blog von Howard Rheingold möchte ich noch hinweisen. Eine Episode ist bis dato online, und diese finde ich wirklich lustig. Rheingold hat das alles nicht allein produziert. Ein ganzes Team hat mitgeholfen, die Marke Rheingold weiterzuentwickeln.  In  späteren Episoden will Rheingold dann auch über seine Tätigkeiten außerhalb der Online-Welt erzählen, wie zum Beispiel “painting, gardening, sculpting that are as important to me as the publishing activities that are most visible to others.”

T minus 140

Vor der Heia noch ein kurzer Blogpost. Seit vergangenen Montag bin ich wieder zurück in Belgien. Die Weihnachtsferien in Österreich waren äußerst angenehm. In einem Treffen mit meinem Professor Heinz Wittenbrink haben wir mein Diplomarbeitsthema konkretisiert. Seit vergangener Woche stecke ich nun mitten in der Recherchephase. 140 Tage habe ich noch Zeit, bis ich die Arbeit abgeben muss. T minus 140. 

links for 2007-12-19

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links for 2007-12-07

"Österreichische Demokratische Republik"

… nennt der Grüne Sicherheitssprecher Peter Pilz derzeit Österreich, wenn es um Datenschutzfragen geht. Und es ist wahrlich ein schwarzer Tag für die Bürgerrechte in unserem Land. Denn das eben von den Regierungsparteien beschlossene Sicherheitspolizeigesetz hat einige Tücken eingebaut. Zum Beispiel die folgende: 

 Auch “Namen und Anschrift eines Benutzers, dem eine IP-Adresse zu einem bestimmten Zeitpunkt zugewiesen war”, soll die Polizei vom Provider ohne richterliche Kontrolle erhalten dürfen. (via fuzo

 Was mich wundert: Wo bleibt der Protest?   

Facebook wird zum Fadebook?

Vielleicht ist meine Wahrnehmung zu selektiv, aber soviel wie derzeit über Facebook publiziert wird, ist einfach enorm. Dass keineR mehr über MySpace spricht, ist eh schon ein alter Hut.

Mit dem Beacon-Feature (Wikipedia) hat sich Facebook ziemlich weit aus dem Fenster gelehnt. Vielleicht zu weit, wenn es nach vielen Bloggern geht. Beacon ist heute genau ein Monat alt.  Es handelt sich um eine Werbetechnik, die mitverfolgt, was jeder Facebook-Nutzer auf bestimmten Internetseiten so treibt. Auch, wenn man sich bei Facebook ausgeloggt hat, wird die Facebook-Identität der Surfer von externen Webseiten noch gelesen. Anschließend werden Informationen über das, was der Benutzer auf der Seite gemacht hat, an Facebook gesendet. 

Also wenn ich beispielsweise auf eBay etwas ersteigere, dann wird das ohne mein Zutun meinen Facebook-Freunden mitgeteilt. Ich persönlich stelle mir das besonders toll vor, wenn ich für meine Freundin ein Geschenk kaufe und im selben Augenblick teilt ihr das mein Facebook-Newsfeed mit.

Jedenfalls gab es gegen Beacon gehörigen Protest, unter anderm auch eine Petition bei der Bürgerrechtsbewegung MoveOn.org. Die Geschichte fand ihren Weg zu den traditionellen Medien und ließ damit auch Facebooks Werbepartner skeptisch werden.

Ob da die späte Entschuldigung von Mark Zuckerberg etwas hilft? Ich bezweifle das. Das Facebook-Bashing geht weiter. Bei einer Umfrage, die gerade bei “mashable” läuft, sagt fast die Hälfte (Stand Heute Mittag) aller TeilnehmerInnen, dass  Zuckerberg’s Entschuldigung unangebracht ist:

Too Little, Too Late; Facebook’s Screwed!

Allzu ernst darf man das wahrscheinlich nicht nehmen. Auch der baldige Tod von Facebook wird beschworen:

Facebook has turned all the people who rooted for it into a lynch mob. In the space of a month, it’s gone from media darling to devil. The most interesting thing about Facebook right now is who will replace it.

Ein wenig zugespitzt, aber nachvollziehbar. Diesen Satz im selben Artikel verstehe ich aber nicht wirklich:

It could have all been avoided with a smart adult running things. Facebook has no old hands in its corner, no advisers to tell the kids how to behave. 

Ich glaube, dass es gerade auch der Mythos rund um den jungen Mark Zuckerberg war, der Facebook und keine Konkurrenzseite so populär gemacht hat. Viele der Multiplikatoren in den Amerikanischen Colleges wollten ganz einfach auch so erfolgreich sein wie Mark. Aber das ist eine andere Geschichte.

PS: In diesem Zusammenhang auch noch interessant: 15 Reasons Facebook Isn’t Worth $15 Billion

PPS: Beacon lässt sich abstellen. Die Daten, wie die Facebook-User andere Webseiten nutzen, erhält Facebook aber wahrscheinlich trotzdem. Einzige sichere Möglichkeit: Cookies löschen. Oder den ganzen Facebook-Account.

Ausgebobt

Da seh ich das am Samstag in Berlin, und am darauf folgenden Tag erreicht mich die Nachricht, dass es vorbei ist mit den Guten. Die Bösen haben anscheinend gesiegt. Die Guten sind so gut wie Geschichte. Sie verabschieden sich. Mit einem letzten Kraftakt. Der sich da nennt: Abschied.

bob magazin

Am 12. Dezember erscheint die vierte und letzte Ausgabe des Magazins “Bob”. Die vergangen drei habe ich mit Freude gelesen. Zuweilen war es mir ein wenig zu verhirnt für eine Illustrierte, meist aber fand ich die Lektüre sehr ansprechend. Meine Lieblingsnummer: Mutter. Alles gute, werte Herausgeber vom Club Bellevue, bei eurem neuen Projekt.

links for 2007-12-05

links for 2007-12-03

links for 2007-11-30

links for 2007-11-28

Dichand bloggt …

… bereits seit über einer Woche. Und die LeserInnen kommentieren fleißig. Hier gehts lang.

Nach dem inoffiziellen Krone-Blog setzt der alte Herr wohl zum Gegenschlag.

dichand

Ich möchte besonders auf das große Bild im Hintergrund hinweisen. Ein Blick hinter die Kulissen lohnt sich: Sieht man sich auch den Teil des Bildes an, den die Blogposts überdecken, dann entdeckt man, dass Dichand lässig an einer Haltestange lehnt. Anscheinend wurde das Bild in einer Straßenbahn oder U-Bahn aufgenommen. Ein Mann des Volkes eben.

Ich bin schon gespannt, wie lange er durchhält.
[via fuzo]

Diese Spammer – und diese Social Networks

Immer wieder muss ich mich über Spam wundern:

Hello,
My name is Valentin, I’m 25 years old and I live with my mother in Russian province. My mother cannot see and authorities pay her a little indemnity, which is not enough even for medications. (…) The situation is hopeless in our region and we are afraid that local boiler-house can stop heating of our home. The winter is coming and temperature can be minus 30 degrees in the nearest weeks. We don’t know what to do and we are very afraid.
Thanks to the free internet access in our library I found different e-mail addresses and I decided to appeal to you with a prayer in my heart for a small help.
If you have any old sleeping bag, felt boots, mittens, wool-socks, fur-coat, warm blanket, warm clothes, portable heater, canned food, vitamins, medicines against cold, hygiene-products, I will be very grateful to you if you could send it to our postal address:
(…)
If you think that it would be better or easier for you to help with some money, please write me back and I will give you details for sending it safely if you agree. This way to help is very good because in this case I will be able to buy a portable stove and heat our home during the winter.
I hope to hear from you soon and I pray that you can help us to survive this winter. I also hope very much that this difficult situation will get better very soon in our country.
I want apologize for this message. God Bless You, Valentin and my Mother Elena.

Oder diesen:

I work in a detective agency. I can’t say my name now. I’m warning you that i’m going to watch you and listen your phone line. Do you want to know who paid for shadowing you? Wait for my next letter.
P.S. I’m sure, you don’t believe me. But i think the attached record of your telephone conversation will assure you that everything is real. The record is in archive. The password is 123qwe

Ich bin mir bewusst darüber, dass Spam zu veröffentlichen, nicht wirklich sinnvoll ist. Schließlich verleiht man dadurch dem Spammer nur noch mehr Bedeutung. Und dennoch fasziniert mich die Art, wie hier Aufmerksamkeit gesucht wird, jedes mal aufs neue. Und ich wundere mich, wie oft ich auf Spam hineinfalle. Beinahe täglich öffne ich Spam-E-Mails mit der kleinen Hoffnung, dass sich hinter dem meist kryptischen Absender/Betreff doch eine sinnvolle Nachricht verbirgt.
Während Gmail oft auch Nicht-Spam-E-Mails als Spam klassifiziert, sortiert der Horde-Client meiner mur.at-Adresse leider viel zu wenig aus. Ich glaube, Spam ist auch ein Mitgrund dafür, warum sich E-Mails immer mehr in Social Networks verlagern. Der restriktive Anmeldungsprozess und die vereinfachten E-Mail-Spielregeln (keine E-Mail-Adresse mehr notwendig) haben das ermöglicht.
Sieht man einmal vom Comment-Spam bei Myspace und Youtube ab, habe ich bisher in noch keinem fast keinem Social Network eine traditionelle Spam-Nachricht erhalten. Dafür ist man in jedem dieser Netzwerke dann konfrontiert mit Werbung, die nicht ein Spammer, sondern der Betreiber installiert hat. Auch nicht unbedingt besser.

links for 2007-11-21

links for 2007-11-20

In tiefer Trauer: Kinderzimmer Productions †

Meine Lieblings-Hip-Hopper, die famosen Kinderzimmer Productions, lösen sich auf. Gerade auf deren MySpace-Blog gelesen:

Wir beerdigen den Namen Kinderzimmer Productions.

Es ist Zeit ein paar Veränderungen vorzunehmen. (…) Hier jetzt erstmal die Veränderungen, die Gründe liefern wir nach.

Wir beerdigen den Namen Kinderzimmer Productions. (…) Wir werden nicht mehr regulär touren. Wir pressen keine CDs mehr nach, aber wir sehen zu, dass alle unsere Alben im Netz erhältlich bleiben.

Ob wir in Zukunft noch Musik veröffentlichen, ob alleine oder zu zweit, was für Musik das sein könnte, wissen wir noch nicht.

Eure Kinderzimmer Productions

Wenn ich mich richtig erinnere, dann habe ich Kinderzimmer Productions viermal live gesehen. Einmal in Wien, zweimal in Graz, einmal auf einem Salzburger Festival. Ich habe alle CDs, eine Plattentasche, ein T-Shirt, große Sticker und signierte Platten. Die Texte von “Wir sind da wo oben ist” haben mich sozialisert. Es war der innovative Ansatz bei Musik und Texten, der mich fasziniert hat. Damals 2002, wie wäre mein dreiwöchiger Paris-Austausch ohne KiZiPro verlaufen? Und im Gegensatz zu Blumentopf oder den Sportfreunden, zwei anderen für mich zu dieser Zeit sehr wichtigen Bands, haben sich Kinderzimmer Productions immer verändert. Schade, wirklich sehr schade.

links for 2007-11-16