Armut bekämpfen mit Open Data [Update]

Über 100 Hackathons – von Norwegen bis Uganda – gingen dieses Wochenende anlässlich des International Open Data Day über die Bühne – einer davon auch in Wien: Im Zentrum für Verwaltungsforschung beschäftigten sich Open-Data-Begeisterte mit offenen Daten, deren Aufbereitung und Nutzen. Tag eins widmete sich der Frage, wie sich Armut durch Big Data bekämpfen lässt, Tag zwei offenen Gemeindebudgets. Insgesamt kamen an den zwei Tagen rund vierzig DatenexpertInnen, EntwicklerInnen und Open Data Advocates ins KDZ. Sie waren aus Washington, Frankfurt, Bratislava aber auch aus Wien, der Steiermark und Niederösterreich angereist. Das mediale Interesse war mit einem Kamerateam der ZiB2 und JournalistInnen von Radio Ö1 und Radio Helsinki unerwartet hoch.

(c) UNDP in Europe and Central Asia

Armutsbekämpfung und Big Data

Prasanna Lal Das

Prasanna Lal Das, Weltbank (Washington), berichtet über Armutsbekämpfung durch Open Data. Foto CC-by-nc 3.0.

Am ersten Tag veranstalteten wir gemeinsam mit Vertretern der Weltbank und der Entwicklungsabteilung der Vereinten Nationen (UNDP) einen data dive. Ziel war es, in bereits vorhandene Daten zu Entwicklungszusammenarbeit “einzutauchen” und neue Ideen und Ansätze zu entwickeln, wie man Daten zur Armutsbekämpfung einsetzen kann. Die Veranstaltung war Teil einer Eventreihe, die auch in Kairo, Montenegro, Washington und Neu Dehli Station macht.

Für die Weltbank reiste Prasanna Lal Das aus Washington an. Er ist mitverantwortlich dafür, dass die Weltbank bereits seit Jahren sämtliche Forschungsdaten frei online zur Verfügung stellt – und damit zu einer der wichtigsten Nicht-Regierungs-Quellen von offenen Daten geworden ist. Prasanna schilderte die Anstrengungen der Organisation, Armut schneller messen zu können, um rascher darauf reagieren zu können.

Das Problem mit den meisten Armutsstatistiken derzeit ist, dass sie veraltet sind, wenn sie veröffentlicht werden. Das führt dazu, dass die Gelder falsch eingesetzt werden. Nun will man mittels Analyse unterschiedlicher offener und geschlossener Datensätze, dieses Problem bekämpfen. Robuste Armutsindikatoren für eine globale Anwendung zu entwickeln, ist keine triviale Aufgabe. Weil diese Probleme sogar für solche internationalen Organisationen bisher nicht zu lösen waren, öffnen sie sich für die Open Data Community. Die UNO steht vor derselben Herausforderung. Deshalb hat Ban Ki-moon 2009 die Initiative UN Global Pulse ins Leben gerufen, die sich darauf spezialisiert hat, Big Data zu analysieren:

Seitens des United Nations Development Programme kamen gleich vier VertreterInnen aus dem Regionalbüro in Bratislava. Das Ziel von Giulio QuaggiottoJustyna KrólAndrey Ivanov and Jura Khrapunov: Sie wollen wissen, wie wahrscheinlich es ist, dass die eingesetzten Gelder der Entwicklungszusammenarbeit auch tatsächlich ankommen. Dafür wollen sie etwa ein Frühwarnsystem entwickeln, das darauf hinweist, wenn Gelder anders verwendet werden als angegeben.

In den kommenden Tagen wird eine tiefergehende Zusammenfassung der Veranstaltung online gestellt werden. [Update 25.02.13] Giulio und Prasanna weisen in einem ersten Follow-Up-Blogposts auf den Aspekt der (persönlichen) Datenphilantropie hin: Would you give up your personal data for development? [/Update]

In der Zwischenzeit einige Hintergrundblogposts zum Vertiefen für Interessierte:

Moderiert wurde die Veranstaltung von Christian Kreutz von der Open Knowldedge Foundation in Deutschland. Christian hat den Offenen Haushalt Frankfurt auf den Weg gebracht und war damit der beste Link zum zweiten Tag der Open-Data-Tage in Wien, an dem offene Gemeindebudgets von österreichischen Städten analysiert wurden.

Dieser Post erschien unter anderem Titel ursprünglich am Blog der Open Knowledge Foundation – und wurde für die Veröffentlichung hier angepasst. Thomas Lohninger hat am Text mitgeschrieben.