Korrekte Smartphones

CC-by-nc-nd: rubra / Ars Electronica

Ein Toaster “from the scratch”, gesehen bei der Ars Electronica 2010.

Achtung, Live-Blogging: Ich schreibe Dinge falsch auf, vergesse wichtige Aspekte, redigiere kaum – seid gewarnt.

Heute im Wiener Hub eine neue Ausgabe von twentytwenty, das regelmäßig, Zukunftsthemen aus dem Technologiebereich abklopft. Diese Ausgabe behandelt Smartphones, die fair und ökologisch richtig produziert und recycelt werden sollen – und das alles bei offener Hard- und Software. Utopie? Jedenfalls sehr korrekt. Joe Mier, Community Manager bei FairPhone, eröffnet die Veranstaltung mit einer Keynote. Er stellt das in Amsterdam ansässige Projekt vor, das ein rundum faires Mobiltelefon zu entwickeln will: Es beginnt bei der Förderung der benötigten Mineralien und den Produktionsbedingungen über das Betriebssystem (Open-Source) bis hin zur Preistransparenz. FairPhone exisitiert seit 2010 und hat eigentlich als pädagogisches Projekt begonnen – man wollte auf die negativen Aspekte der Mobiltelefone aufmerksam machen. FairPhone unternahm Forschungsreisen nach Afrika oder ging auf Festivals, zerlegte dort Handys und erklärte, woher die Komponenten stammten. Aus diesem pädagogischen Ansatz heraus entwickelte sich ein Social Business mit der Idee, ein faires Handy zu produzieren. Derzeit ist Fairphone gerade dabei, in China eine Produktion aufzubauen. Am Ende soll ein Mobiltelefon herauskommen, das zu einem vernünftigen Preis mit den derzeit angebotenen Smartphones mithalten kann.

Lale Rodgarkia-Dara, Künstlerin aus Wien, weist darauf hin, dass Reparieren und Recycling kein neues Phänomen ist. Bereits mit dem Aufkommen der ersten Radios bildeten sich Vereine, die sich der Reparatur von Geräten widmeten. Auch gab es Anleitungen mit Schaltplänen, nach denen man vorgehen konnte.

Daniela Zimmer von der Arbeitkammer Wien erzählt, dass die meisten Handys schon vor Ablauf der Handy-Mindestvertragsdauer ersetzt werden. Werbung von Mobilfunkanbietern richtet sich auch verstärkt an Jugendliche, die Handys noch stärker als wir alle als Statussmybol sehen. Viele Verbraucher kommen mit kaputten Smartphones zur AK, nachdem die Handywerkstätten eine Reparatur verweigerten. Die Verbraucherschützer reden vom “Feuchtigkeitsschadenreflex”, weil das oft die Antwort der Vertragswerkstätten auf sämtliche Mängel ist. Oft werden Handys nicht repariert, sondern ausgetauscht. Bräuchte man nicht ein dichteres Netz an Reparaturwerkstätten, denn ein Transport eines Handys ist oft teurer als ein Neues?

Johannes Naimer vom WWF schildert die Umweltfolgen, die beim Abbau von seltenen Erden insbesondere im Kongo entstehen. Einerseits kommt es zwar zu einem Aufbau von Infrastruktur, andererseits wird das Gebiet kontaminiert – unter anderem durch jene Chemikalien, mit denen die Mineralien aus den Gesteinen herausgelöst werden. Ein Ansatzpunkt zur Verbesserung der Situation wäre es, gegen das Oligopol an Unternehmen, die die seltenen Erden in Afrika fördern, zu kampagnisieren.

Was unterscheidet die Mobiltelefonindustrie von anderen Industrien? Ein faires Phone gibt es noch nicht, während es faire Lebensmittel und Kleidung schon lange gibt. Fotoapparate etwa werden auch nicht alle zwei Jahre getauscht. Das große Problem ist, dass Handys so stark als Statussymbol gelten. Eine interessante Idee kommt aus dem Publikum: Auf Handys könnten nicht-löschbare Bilder und Videos von Kinderarbeitern aus dem Kongo abgebildet sein – ähnlich wie auf Zigarettenpackungen.

Das Problem mit aktuellen Gütesiegeln bei Technikprodukten ist, dass es nicht möglich ist, soziale und ökologische Aspekte aller Einzelteile zu überprüfen. Eine Gegenstrategie kann nur sein, diverse Produkte positiv bzw. negativ hervorzuheben.

Zum Schluss bleibt die Hoffnung, dass Handys in Zukunft länger verwendet werden.Auch hat der Zeitgeist immer wieder gezeigt, dass sich Fetische und Statussymbole ändern: Was früher das Auto war, ist heute das Smartphone – und was wird es morgen sein?