Ein europäisches, öffentlich-rechtliches Facebook

Kommentar zum Thema „Medien fördern?”, erschienen in der KUPFzeitung #159
Pro von mir, Contra von Niko Alm
Volltext auf kupf.at

Als Christian Kern als neuer Bundeskanzler vor die Medien trat, wollten die ReporterInnen neben Details zu seinem New Deal auch mehr über die Zukunft ihrer eigenen Jobs wissen: Wolle Kern die Medienpolitik seines Vorgängers Werner Faymann weiterführen, also sich durch die kräftige finanzielle Unterstützung von Kronen Zeitung, Österreich und Heute weiterhin Öffentlichkeit und Aufmerksamkeit erkaufen? Oder wolle sich der neue Kanzler endlich von der anzeigengestützten PR abwenden und die angestaubte Medienförderung reformieren. Dies würde in der Branche zu Umstrukturierungen und Jobverschiebungen führen. Schnell wurde klar, dass der Bundeskanzler und sein für Medien zuständiger Minister Thomas Drozda einen größeren Wurf planen: Sie sprachen davon, die Inseratenbudgets öffentlicher Stellen zu reduzieren und im gleichen Zug die Presseförderung zu erhöhen. In Zukunft könnten weniger die Medienunternehmen selbst, dafür mehr journalistische Qualität gefördert werden. Weniger bestellte Berichterstattung und mehr unabhängiger Journalismus also: Das ist vernünftig. Ob es sich realpolitisch umsetzen lässt, bleibt offen.

Das Ende des Wirtschaftsblatts und das angekündigte Sparpaket beim Kurier erinnern uns daran, dass selbst im “Krone”-Land Österreich die gedruckte Tageszeitung mittelfristig zum Minderheitenprodukt schrumpfen wird. Wollen wir den tagesaktuellen Journalismus erhalten, müssen wir ihn fördern – und zwar im Rundfunk- und Onlinebereich. Die Druckerpressen des Boulevards querzusubventionieren hilft außer den Dichands und Fellners dieser Welt niemandem. Stattdessen sollte die Regierung neben dem Qualitätsjournalismus auch kleine Medienorganisationen und Nischen stärker bei der Reform der Medienförderung berücksichtigen. Denn dort, an den interdisziplinären Schnittstellen, werden Themen aufgeworfen und passieren die Innovationen, von denen indirekt auch traditionelle Medienhäuser profitieren. Die Regierung muss auch über den Aufbau neuer Distributionsnetzwerke nachdenken: Facebook wird auf absehbare Zeit seine Vormachtstellung als Quasi-Monopolist für die Verbreitung digitaler Nachrichten kaum verlieren – außer die Politik interveniert auf europäischer Ebene. Der US-Konzern muss in Zukunft weniger dem Markt und mehr der Öffentlichkeit verpflichtet werden. Sollte diese Regulierung scheitern, müssen wir uns daran machen, eine europäische Facebook-Alternative zu gründen, getragen von den öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten.