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roman eines schicksallosen

heute habe ich imre kertész‘ “roman eines schicksallosen” fertig gelesen. ich verzichte auf eine inhaltsangabe, die kann man anderenorts studieren. einige ungeordnete notizen und gedanken von meiner seite zum wohl wichtigsten werk des ungarischen autors: kertész  verwendet eine klare sprache, die zuweilen zutiefst minimalistisch ist; und gerade dadurch berührt sie.
ich habe viel neues erfahren über die grausamkeiten, die in den konzentrationslagern begangen wurden. viele fakten, die ich schon einmal gehört hatte, wurden durch die lektüre wieder präsent.
zu denken gegeben hat mir, dass der protagonist selten an seinen vater denkt, der bereits vor ihm deportiert wurde. während seines ganzen aufenthalts in den verschiedenen lagern versucht er niemals, seinen vater zu finden.
ein markantes zitat aus dem ende des buches, als der junge nach seiner heimkehr einen journalisten auf der straße trifft, macht besondes betroffen:

«Mein Junge, möchtest du nicht über deine Erlebnisse berichten?» Ich staunte ein bißchen und sagte, sehr viel Interessantes könnte ich ihm nicht  erzählen. Da hat er ein wenig gelächelt und gesagt: «Nicht mir: der Welt.» Darauf staunte ich noch mehr und wollte wissen: «Aber worüber denn?» «Über die Hölle der Lager», antwortete er, worauf ich bemerkte, darüber könne ich schon gar nichts sagen, weil ich die Hölle nicht kenne und sie mir nicht  einmal vorstellen kann. Aber er sagte, das sei bloß so ein Vergleich: «Haben wir uns denn», fragte er, «das Konzentrationslager nicht als Hölle vorzustellen?», und ich sagte, während ich mit dem Absatz ein paar Kreise in den Staub zeichnete, jeder könne es sich vorstellen, wie er wolle, ich meinerseits könne mir jedenfalls nur das Konzentrationslager vorstellen, denn das kenne ich bis zu einem gewissen Grad, die Hölle aber nicht. «Aber wenn nun doch?» drängte er, und nach ein paar weiteren Kreisen sagte ich: «Dann würde ich sie mir als einen Ort vorstellen, wo man sich nicht langweilen kann», wohingegen man das, so fügte ich hinzu, im Konzentrationslager  könne, sogar in Auschwitz – unter bestimmten Voraussetzungen, versteht sich. Daraufhin schwieg er ein Weilchen, und dann fragte er, irgendwie aber schon widerwillig, wie mir schien: «Ja, und womit erklärst du das?», und da habe ich nach einigem Nachdenken gefunden: «Mit der Zeit.» (zitat via nobelprize.org)

der roman provoziert in erster linie deswegen, weil der junge protagonist bereitwillig versucht, die logik der lager zu erklären. “ich habe von greueln nichts bemerkt”, sagt er am ende in einem gespräch. alles sei schritt für schritt passiert.
trotz all der erfahrungen bleibt der junge ein schicksalloser. ihm wird geraten, er solle die zeit schnellstmöglich vergessen und “ein neues leben beginnen”. doch da würde etwas unmögliches von ihm verlangt werden. “was geschehen sei, sei geschehen”, schreibt kertész. glücklicherweise hat er nicht vergessen und seine erinnerungen niedergeschrieben. in jedem deutsch-unterricht sollte dieses buch pflichtlektüre sein.

two g8 blogs

zuender, the youth magazine of the german newspaper die zeit published a photo blog on the g8 summit in heiligendamm. most of the nearly 80 pictures came from news agencies. they show the colourful and ambiguous world of the protests against the summit. highly recommended.
another interesting site during the last days was the spree8 blog. everyone could blog with his/her ordinary mobile by writing sms or calling an answering machine. the blog was simple, effective and giving the a feeling of being very close to the event.

blair’s announcement to step down

the guardian has a again created a great multimedia-element after blair’s announcement (mp3) to resign on june 27.
although i have never been long in england, but since i have been reading so much about new labour in the last days for my english-exam, i also really feel that an era ends… nevertheless, my knowledge is limited and so a résumé about blair’s achievements and frailties will not appear on this site.