cinema

Insel der Unseeligen

keine insel

Gestern abend lief im Augartenkino Keine Insel (imdb, Trailer). Der Dokumentarfilm beschäftigt sich mit der Entführung des Großindustriellen Walter Michael Palmers im November 1977. Die Bewegung 2. Juni hatte Palmers damals entführt, nicht aus politischen, sondern aus rein finanziellen Motiven. Der Titel des Films spielt darauf an, dass Österreich regelmäßig als “Insel der Seeligen” bezeichnet wird, also hier keine Verbrechen geschehen würden.
Regisseur Alexander Binder hat sehr intensive Interviews mit den Entführern und Zeitzeugen geführt. Er erzählt die Geschichte der Entführung der Sicht der Täter. In kurzen Zeitdokumenten, Radio- und Fernsehbeiträgen, wird gezeigt, wie die Öffentlichkeit die Ereignissse zu dieser Zeit wahrgenommen hat.
Geschickt montiert Binder die einzelnen Gespräche. Obwohl er eigentlich nur Interviews mit statischer Kamera geführt hat, reißt der Spannungsbogen zu keiner Zeit ab. Selten hat auf mich ein Film so ruhig, und gleichzeitig so aufwühlend gewirkt. Großes Kino.

sónar festival, personal review, day 2

bevor die erinnerungen wieder verblassen, möchte ich noch die anderen beiden tage des sónar-festivals festhalten: am Tag 2, Freitag, 15.06.,  endlich das wirklich erste große highlight: clark zeigt, dass es sie noch gibt, die langen, tiefen bässe mit verspielter elektronik darüber. sein album body riddle läuft bei mir schon seit einiger zeit auf heavy rotation, das konzert beim sónar hat diesen zustand nun prolongiert. ohne starke beschleunigung und allzu arge geschwindigkeiten gelingt es clark, die gesamte aufmerksamkeit auf sich  zu ziehen. ein gewagtes musikalisches konzentrat, anzusetzen irgendwo im progressiven ambient-bereich. manche würden es auch ganz generalistisch idm nennen:

This is the oddest named genre in the entire world, since it’s not easily danceable, it’s not certifiably intelligent, and it’s arguable as to whether it constitutes as actual music. This is the realm of the uber-pretentious electronic music afficionados, with razor-thin eclectic tastes, who spend most of their waking energy arguing about what IDM is and what IDM isn’t.

bei der abendschiene des sónar begeisterten vor allem digitalism und simian mobile disco. new young pony club ließ sich mal wieder nicht blicken.
überraschend langweilig die ed banger label night, bei der dj mehdi und justice zwar gefielen, aber ihrem vorauseilenden ruf nicht wirklich gerecht werden konnten.
an dieser stelle möchte ich auch noch die visuals von pfandfinderei hervorheben, die – kurzweilig und professionell produziert – einen schönen mix aus vektorgrafiken und filmen boten.
für den abschluss sorgte um fünf uhr früh noch timo maas, der gewohnt souverän die platten drehte.
genug namedropping jetzt. erzählen möchte ich noch von den riesigen halle des messegeländes in barcelona, wo sonar by night untergebracht war. es gibt leider keine öffentliche information, wie viele leute an diesem zweiten festivalabend das sónar besuchten. ich schätze, dass es rund 30.000 waren. und es hätten noch mehr reingepasst…

sonar festival, personal review, day 1

heute gestern abend bin ich vom sónar-festival heimgekehrt. fazit vorweg: chaotische organisation, grandiose künstler. ein glück, dass es nicht umgekehrt war.
dieses review ist deshalb so detailliert, weil ich das festival noch einmal besuchen möchte und ich mich selbst in einigen jahren auch noch an die einzelheiten erinnern will. darüberhinaus soll es jenen (potentiellen) festivalbesuchern dienen, die mit dem gedanken spielen, das sónar im nächsten oder übernächsten jahr zu besuchen.
die geschichte(n) im detail:
Mittwoch, 13.06.: die austrian airlines haben aufgrund eines technischen fehlers im flugzeug das gepäck aller passagiere in wien gelassen. für uns hieß das: ziemlich genau 24 stunden mussten wir in barcelona ohne gepäck ausharren. etwas ärgerlich war das insofern, als dass uns durch diesen vorfall am Sónar Tag 1, Donnerstag, 14.06.: ziemlich viel zeit und geld dadurch verloren ging, dem gepäck hinterher zu telefonieren und uns um toilettesachen zu kümmern.
aber zum wesentlichen: den auftritt von blixa bargeld, dem sänger von einstürzende neubauten, hatten wir aufgrund der unnannehmlichkeiten mit unserem gepäck leider verpasst. beeindruckend und laut war jazzfinger (video vom auftritt schon online).
abends dann, das lang erwartete und groß angekündigte special concert der beastie boys. das erwies sich als eher langweilig. wirklich schade, denn der ansatz war ein interessanter: die beastie boys als gitarren-band zu sehen, das konnte doch wirklich etwas besonderes sein. war es aber leider nicht. dem konzert fehlte jegliche dramaturgie, es kam das gefühl auf, dass die beastie boys nicht wussten, wie sie aufhören wollten.
interessanter war abschließend dann aber narod niki, die den abend versöhnlich ausklingen ließen: narod niki baute über eine stunde lang spannung auf, das publikum wartete und wartete auf eine erlösung, die es aber nicht erhielt. das goethe institut zum projekt narod niki:

(…) das Bekenntnis zum musikalischen Experiment. Ein solches ist das Gemeinschaftsprojekt Narod Niki, an dem (Ricardo) Villalobos maßgeblich beteiligt ist. Zwei Mal schon trafen sich acht erfolgreiche Technoproduzenten, darunter Techno-Chefdenker Richie Hawtin, um live miteinander auf Laptops zu jammen.

wie robert glashuettner von fm4 den ersten tag erlebt hat, können Sie hier nachlesen.
fotos von den veranstaltungen gibt es unter anderem
hier und hier – und bald auf meinem flickr-account.
ein review der anderen beiden tage folgt demnächst.

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next stop: sónar festival, barcelona

on wednesday i am going to fly to barcelona. together with my friend thomas k. i am going to visit the sónar festival.
i have been looking forward to this event since years now. i am really lucky that i finished my semester in oslo already at the end of may, because now i have the time to go barcelona. in the past years it was never possible to attend to the festival because i had exams at this time of the year.
the line-up of the festival is incredible, starting with an opening concert of the beasty boys on thursday and ending with a dj-set of miss kittin on sunday at 5 in the morning… between that dozens of live-acts, djs, vjs and artists. i will not get much sleep in the upcoming days…

film back

actually, i read about the following campaign already some years ago, but netzpolitik let me remember it again. monochrom, the art-collective situated mainly in graz and vienna, ask for ‘an act of civil disobedience’:

We – monochrom and comrade Cory Doctorow – would like to ask you to perform an act of civil disobedience. Please bring a digital camera next time you go to the movies, take a picture of the piracy-warning before the movie starts and use the flashlight. Don’t go for quality taking the picture, it’s secondary. Please jot down time, place and the title of the movie. And thanks!

the last pictures are from january 2007, so its definitely time for the project to wake up again. the next i am going to the cinema i will make a picture and upload it.
[via netzpolitik]