computer assisted reporting

Analyzing the Research Literature on Data-driven Journalism

Last week, my colleague Robert Gutounig and I attended the Dubrovnik Media Days in Croatia to present a paper on which we have been working on in the past months together with Michael Oppermann: A structured literature review on workflows in data-driven journalism.

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Datenjournalismus in Österreich: Der Zug rollt an

Dies ist ein Beitrag zur aktuellen Blogparade von twenty.twenty. Die Veranstaltungsreihe erlebt morgen um 19:00 Uhr im Wiener Hub eine neue Ausgabe zum Thema Geschichten aus dem Datenwald.

Foto: CC State Records NSW

Wie eine Dampflok: Langsam, aber stetig kommt Datenjournalismus in Österreich in Fahrt:

Die Liste ließe sich noch weiter fortführen. Vor einem Jahr gab es kaum eine dieser Entwicklungen hierzulande. Sie wurden ausgelöst durch Projekte, die anderswo – in Redaktionen in Großbritannien, den USA, Frankreich oder Deutschland – passieren. Die Datenjournalismus-Lok fährt dabei im Windschatten der großen Open-Data-Züge: Je mehr Daten aus Regierung und Verwaltung öffentlich werden, desto mehr Recherchematerial haben DatenjournalistInnen. So wie es auch die PSI-Bewegung schon länger als Open Government Data gibt, ist es auch beim Datenjournalismus: Dieser ist keineswegs ein neues Phänomen. Früher hieß es Computer Assisted Reporting. Das Innovative am “neuen” Datenjournalismus (wie wir ihn aktuell insbesondere mit der New York Times und dem Guardian verbinden) ist die Interaktivität.

Damit die Datenjournalismus-Lok in Österreich weiterfahren und beschleunigen kann, müssen Schienen verlegt und Weichen gestellt werden: Natürlich benötigt es mehr, bessere, und sensiblere Daten (jedoch keine personenbezogenen). Wenn die etablierten Medien nicht dem Zug hinterherlaufen wollen, müssen sie in Personal und Technik investieren (auch wenn “das” Datenjournalismus-Geschäftsmodell noch nicht in Sicht ist). Online-Medien brauchen GrafikerInnen, StatistikerInnen und ProgrammiererInnen, die nicht in der IT- oder der Controlling-Abteilung sondern in der Redaktion arbeiten. Der Paradigmenwechsel weg vom Artikeldenken hin zum Prozessjournalismus, der Crowdsourcing und Zusammenarbeit zwischen Medienunternehmen beinhaltet, ist eine weitere zentrale Weichenstellung. Wenn es so weitergeht, bin ich mir sicher, dass ein Unternehmen wie OpenDataCity bald auch in Österreich überleben kann.

Datenjournalismus wird sich in den nächsten Jahren thematisch ausdifferenzieren. Derzeit sind die Teams, die an Datenjournalismus-Projekten arbeiten, Allrounder: Sie bearbeiten Finanzdaten genauso wie Geheimdokumente, Schulstatistiken wie auch Twitter-Konversationen. Das wird sich ändern. So wie jede angehende Journalistin heute Social Media beherrschen muss – egal in welchem Ressort sie arbeitet –, wird sie in wenigen Jahren mit Big Data umgehen müssen. Denn die guten Geschichten im Datenberg kann nur derjenige finden, der nicht nur technisch sondern auch fachlich exzellent ist. Und deshalb braucht es neben der technischen Kompetenz auch die fachliche Ausdifferenzierung: die Datenspezialistin im Wirtschaftsressort oder den Sportstatistiker zum Beispiel. Data Literacy wird keine Schlüsselkompetenz von einzelnen Geeks mehr sein, sie wird zu Basiskompetenz jedes Journalismusanwärters. Die Journalismusausbildung müssen wir dahingehend anpassen.
Hinzu kommt die zunehmende Verfügbarkeit von Open Corporate Data, aber das ist einmal einen gesonderten Blogbeitrag wert.

Welche Zielbahnhöfe die heimischen Datenjournalismus-Loks ansteuern können, das zeigt sich regelmäßig international, etwa bei “The Week in Data” des französischen Portals Owni. Gut, dass hierzulande schon einmal Fahrt aufgenommen wurde.

PS: Der internationale Twitter-Hashtag zu Datenjournalismus, der glücklicherweise noch schön verfolgbar ist, lautet #ddj. Auf dieser Twitter-Liste habe ich einige DatenjournalistInnen gesammelt, die etwas zu sagen haben.

Meilensteine und Charakteristika des Datenjournalismus

Bei der gestrigen Auflage von Collide:Vienna habe ich einen Vortrag zu Meilensteinen und Charakteristika des Datenjournalismus gehalten. Collide ist eine Veranstaltungsreihe in Wien, bei der sich Publizisten und Hacker treffen, um sich über Innovationen im Journalismus auszutauschen. Unter anderem zeige ich, dass Datenjournalismus keineswegs ein neues Phänomen ist. Datenjournalistische Ansätze lassen sich bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts zurückverfolgen. Auch als Journalisten bereits Computern verwendeten, aber weder das Internet noch Onlinepublikationen existierten, gab es Datenjournalismus etwa bei Zeitungen.

Hier sind meine Slides, die auch ein Modell über die aktuellen Rahmenbedingungen und den Workflow datenjournalistischer Arbeit.

Neben mir hat auch Robert Harm einen Vortrag zu Werkzeugen im Datenjournalismus gehalten. Dabei ging er insbesondere auf Maps Marker ein, ein unlängst von ihm entwickeltes äußerst mächtiges WordPress-Plugin.

Collide ist inspiriert von der Hacks/Hackers-Bewegung in den USA, die sich nichts Geringeres als einen Reboot des Journalismus zum Ziel gesetzt hat. In Wien soll die Reihe in Zukunft communitygetrieben funktionieren, ähnlich wie die Webmontage. Wer auf dem Laufenden bleiben will und gerne über Innovationen im Journalismus hört und diskutiert, dem sei auch die Collide-Facebook-Gruppe ans Herz gelegt. Derzeit stehen Christopher Clay aka @c3o und insbesondere Markus Hametner aka @fin hinter dem Projekt. Letzterer programmiert auch luminous flux, von dem wir in Zukunft hoffentlich noch einiges hören werden.