film

Paranoid Park

 paranoid_park

Gestern zum ersten Mal im Kino in Brüssel. Paranoid Park (imdb) flimmerte im Cinéma Arenberg über die Leinwand. Ich war absolut überwältigt von der Intensität dieses Films. Regisseur Gus Van Sant hat einen schizophrenen Streifen abgelifert, der im Bauch kribbelt. “Paranoid Park” ist ein Jugenddrama, spannend erzählt mit unkonventiellen Bildern. Sehr beeindruckend.

Zur Geschichte:

In his script, based on a novel by fellow Portland, Ore., resident Blake Nelson, Van Sant smartly tells the story in a nonlinear form, the way a frightened kid remembers an incident that will haunt him the rest of his life. As he thinks back and tries to put things down on paper so he can make sense of the whole mess, the story tumbles out in images, evasive conversations and interrupted scenes. It is always coherent, though: The story comes to the audience almost in a stream of consciousness that makes more sense than if Van Sant had told the story in a straightforward manner. (via)

Ungerechterweise erfährt der Film wenig mediale Aufmerksamkeit. Zwar bezeichnet Claus Philipp vom Standard “Paranoid Park” als “ein weiteres Meisterwerk”. Und auch Markus Keschnigg von der Presse sah in einer Schlüsselszene eine “pure filmische Wahrnehmung, wie sie nur mehr äußerst selten erreicht wird”. Doch im Endeffekt hat sich kaum jemand dafür interessiert. Sehr schade.

Die musikalische Gestaltung des Films ist fein gelungen. Hauptdarsteller Gabe Nevins spielt überzeugend einen pubertierenden Skater, dessen Leben durch ein Ereignis verändert, das jedem von uns hätte passieren könnte. Etwas irritierend war das fast quadratische (?) Format des Films. Ich glaube nicht, dass der Film in 4:3 gedreht wurde, denn da war noch zuviel Platz links und rechts auf der Leinwand.

Ein Detail zum Schluss: Die Einladung zum Casting erfolgte über eine eigens eingerichtete Myspace-Site. Nachvollziehbar: Wie sonst kommt man heute an authentische Teenager-Laiendarsteller, wenn nicht über Soziale Netzwerke…

Insel der Unseeligen

keine insel

Gestern abend lief im Augartenkino Keine Insel (imdb, Trailer). Der Dokumentarfilm beschäftigt sich mit der Entführung des Großindustriellen Walter Michael Palmers im November 1977. Die Bewegung 2. Juni hatte Palmers damals entführt, nicht aus politischen, sondern aus rein finanziellen Motiven. Der Titel des Films spielt darauf an, dass Österreich regelmäßig als “Insel der Seeligen” bezeichnet wird, also hier keine Verbrechen geschehen würden.
Regisseur Alexander Binder hat sehr intensive Interviews mit den Entführern und Zeitzeugen geführt. Er erzählt die Geschichte der Entführung der Sicht der Täter. In kurzen Zeitdokumenten, Radio- und Fernsehbeiträgen, wird gezeigt, wie die Öffentlichkeit die Ereignissse zu dieser Zeit wahrgenommen hat.
Geschickt montiert Binder die einzelnen Gespräche. Obwohl er eigentlich nur Interviews mit statischer Kamera geführt hat, reißt der Spannungsbogen zu keiner Zeit ab. Selten hat auf mich ein Film so ruhig, und gleichzeitig so aufwühlend gewirkt. Großes Kino.