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Richtig verlinken

vergrößerter link (via telepolis)

Wie, wann und wo setzt man Links richtig? Wann sind zuviele, wann zuwenige Verweise in einem Onlinetext? Auf Telepolis findet sich ein Artikel, der sich mit Links im Online-Journalismus auseinandersetzt. Der Text ist zwar etwas lang, aber aufgrund der vielen Beispiele sehr kurzweilig zu lesen. Allein die Praxis, wie in dem Text Links gesetzt werden, zeigt, wie es richtig geht. Die Informationsjunkie-Zusammenfassung gibts im Folgenden:

Warum die meisten deutschen Medien insbesondere das World Wide Web nicht adäquat nutzen, sondern oft nur den gedruckten Text ohne Links online stellen, kann kaum vernünftig beantwortet werden. […]

Online-Journalismus, wenn man ihn ernsthaft betreibt, hat einen weitaus höheren Anspruch als der klassische Print-Journalismus: Er lädt die Leser ein, die Thesen der Autoren anhand der Quellen, die diese angeben und verlinken, zu überprüfen. Sie stellen sich fast in Echtzeit der Kritik. Online-Journalismus verlangt oft eine härtere und intensivere Recherche als die üblichen Artikel in der Tagespresse.

Das, was die New York Times schon lange Zeit anbietet, nämlich auf Lexika und Enzyklopädien zu verlinken, wird auch im Text begrüßt. Bei der New York Times öffnet sich per Doppelklick auf das markierte Worte ein weiteres Browserfenster mit Referenzen, die aus der hauseigenen Datenbank und verschiednenen Online-Wörterbüchern stammen.

Ein lexikalischer Link erklärt, was ein Begriff bedeutet und ist somit optional: Der Leser entscheidet, ob er das Wort kennt oder ob er es sich näher erläutern lassen möchte. Letzeres bietet der Autor als zusätzlichen Service des Textes an, weil er davon ausgeht, dass seine Informationen Rezipienten mit unterschiedlichem Wissenstand interessieren. Die Links ähneln hier den klassischen Fußnoten eines wissenschaftlichen Werkes.

Wieviel soll verlinkt werden? So oft wie nötig, aber nicht über das Maß hinaus: “In journalistischen Texten hat die Praxis von Wikipedia nichts verloren, jedes Wort, das im Online-Lexikon auftaucht, zu verlinken. Das machte [sic] einen Text unleserlich. ”

Die Regeln für richtiges Link-Setzen sind durchaus fundiert:

  • Der Text muss auch ohne Links lesbar, verständlich und informativ sein. […]
  • Quellen müssen ausnahmslos verlinkt werden. […]
  • Medien müssen dann verlinkt werden, wenn den Lesern nicht zugemutet werden kann, diese selbst zu finden. […]

Wichtig auch: Die Unmittelbarkeit der Quelle beachten. Will heißen: Nach Möglichkeit soll der Ursprungstext verlinkt werden, nicht das Medium, das den Ursprungstext zitiert. (Dem Quellenvermittler kann man beispielsweise am Ende des Texts mit einem “via” danken).
Sollte eigentlich ebenso selbstverständlich sein: Links auf Inhalte und Erreichbarkeit überprüfen. Also beispielsweise nicht auf Wikipedia verlinken ohne zumindest den Anfang davon gelesen zu haben.

Orte, sofern relevant, beispielsweise mit Google Maps oder anderen Anbietern verlinken.

Gegen Ende geht es noch um einige Spezialfälle, wie z.B. geschlossene Systeme, Whois-Einträge, Usenet, Tracerouting, Links zu kommerziellen Seiten (z.b. Bücher bei Amazon).

Der Unterschied zwischen Online-Journalismus und Blogs liegt tendenziell im Haltbarkeitsdatum der Links. Für ein Blog ist es nicht unbedingt wichtig, dass die Links nach einem Jahr noch funktionieren. Ein journalistischer Text im Archiv eines Online-Mediums, dessen Links ins Leere führen, ist ärgerlich.

Und das Fazit:

Man kann eine Wette abschließen: Wer in fünf Jahren die Prinzipien des Online-Journalismus nicht beherrscht, immer noch keine Links setzt und sich nicht der direkten Konfrontation mit kritischen Lesern aussetzen will, der hat verloren. Das Gute wird sich durchsetzen.

Ausgebobt

Da seh ich das am Samstag in Berlin, und am darauf folgenden Tag erreicht mich die Nachricht, dass es vorbei ist mit den Guten. Die Bösen haben anscheinend gesiegt. Die Guten sind so gut wie Geschichte. Sie verabschieden sich. Mit einem letzten Kraftakt. Der sich da nennt: Abschied.

bob magazin

Am 12. Dezember erscheint die vierte und letzte Ausgabe des Magazins “Bob”. Die vergangen drei habe ich mit Freude gelesen. Zuweilen war es mir ein wenig zu verhirnt für eine Illustrierte, meist aber fand ich die Lektüre sehr ansprechend. Meine Lieblingsnummer: Mutter. Alles gute, werte Herausgeber vom Club Bellevue, bei eurem neuen Projekt.

Endlich einmal neue Nachrichten

metadata
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Wie werden wir in Zukunft Nachrichten lesen? Dave Winer, der Protoblogger, glaubt die Antwort zu kennen und gibt einen Vorgeschmack. Bei seinem Projekt nytimesriver.com hat er ein neues Feature hinzugefügt. Winer geht davon aus, dass dieses Feature das Lesen von Nachrichten revolutionieren wird:

First there was the web, then RSS, and now I think we’re on the cusp of another bit of change. If you want to see what I think it looks like, check out the home page of nytimesriver.com.

Ich musste mich in ein wenig einlesen, und hoffe, dass ich nun verstanden habe, was er meint. Hier meine kurze Zusammenfassung, ich freue mich über Ergänzung oder Korrektur:
Das ganze Projekt hat seinen Ursprung bei der New York Times genommen. Diese hat nämlich vor einiger Zeit Schluß gemacht mit Bezahl-Inhalten und ihre Online-Ausgabe fast zur Gänze frei zugänglich gemacht. Das gilt auch für die Metadaten, mit denen jeder Artikel der New York Times verknüpft ist:

The New York Times includes a large amount of topical metadata with each article it publishes. These daily dumps plot the relationships, and geographies, of each article and are archived as RDF, XHTML and SVG maps.

Mithilfe dieser Metadaten lassen sich Nachrichten nun beliebig anordnen, ganz so wie man es sich selbst vorstellt. Niemand diktiert die Wichtigkeit.
Die Sortierung und damit die Bewertung der Nachrichten erfolgt nicht mehr über Ressorts/Rubriken oder über “Aufmacher” und Glossen. Metadaten werden ganz nach dem Vorbild des Semantic Web miteinander verknüpft. Das hilft dabei, Zusammenhänge herauszustellen.

Was ist nun neu an dieser Perspektive? Und welche Auswirkungen hat das für RedakteurInnen?

These pages are notable for their simplicity. There are no distracting ads, no complex navigational tools, no typographical elegance or design flourishes. It’s just the text and you. […] Because the whole “river of news” approach, like the “newest posts on top” design of all blogs, takes a big bite out of the editor’s job.

Ich bin schon gespannt, wie die Leser und Leserinnen dieses neue Modell der Informationsselektion annehmen werden. Bis wir etwas ähnliches bei europäischen Nachrichtenseiten haben, wird es sicher noch lange dauern. Ich kenne auch kein deutschsprachiges Newsportal, dass – wie die New York Times – Meta-Daten seinen Artikeln beifügt. Da wird im Nachhinein noch viel Tagging notwendig sein.

Bloggen und telefonieren

Zu bloggen ist für mich wie ein zu erledigender Anruf. Ein Anruf, der permanent ansteht. Und ein Anruf, auf den ich mich meist freue. Nicht zu bloggen ist für mich ein Teufelskreis. Je mehr Zeit verstreicht, desto größer ist die Hemmung sich melden. Da ist es wie beim Telefonieren. Und wie mühsam sich die Worte sinnvoll zu Sätzen fügen, wenn die Routine fehlt. Mit welcher Geschichte soll man nach einer Pause wieder anfangen? Was interessiert die (potentiellen) LeserInnen? Persönliches oder Alltägliches, Aktuelles und/oder Zeitloses?
Und was auf beide Medien zutrifft: Schön ist immer, wenn jemand am anderen Ende abhebt.

neue wochenzeitung in graz

heute habe ich diese mysteriöse e-mail erhalten:

Ab Herbst wird es in Graz eine neue Wochenzeitung geben, und um frischen Wind in unsere Redaktion zu bringen, suchen wir Redakteure als freie Mitarbeiter, die anders denken als wir. Wenn du dich traust, Erfahrung in einem führenden Medienunternehmen zu sammeln, schicke uns bis spätestens Freitag, dem 7. September einen Kurzlebenslauf und eine Textprobe, damit wir uns von dir ein Bild machen können.

gesendet wurde die e-mail von einer gmx-adresse, auf den ersten blick wirkte das auf mich nicht sonderlich professionell. bin schon gespannt, was da auf uns zukommt. der orf weiß schon mehr: nämlich, dass styria und leykam gemeinsame sache machen und die gratiszeitung in kooperation herausbringen wollen. nach der einstellung von “der neue grazer/der neue steirer” (leykam) und dem inoffiziellen bzö-blatt “graz im bild” (styria) war es nur eine frage der zeit, bis wieder eine gratiswochenzeitung auftaucht.
so wie es aussieht, wollen sowohl styria als auch leykam vor den gemeinderatswahlen in graz noch viel geld aus partei-werbeeinschaltungen lukrieren. ich wäre nicht überrascht, wenn die zeitung im frühjahr wieder eingestellt werden würde.

Bürgerjournalismus und Blogger in Österreich

meine studienkollegen vom jahrgang 06 der fh haben zum Thema Blogging und Bürgerjournalismus in Österreich recherchiert:

Readers Edition » Bürgerjournalismus und Blogger in Österreich
Dennoch durchzieht das Phänomen der Leserreporter inzwischen auch die österreichische Medienlandschaft. Die Kurier-Redaktion im Burgenland hat damit gestartet, damit blieben sie nicht allein. Kleine Zeitung, Vorarlberger Nachrichten, Neue Vorarlberger Tageszeitung, NEWS, Kronen Zeitung, Österreich – sie alle riefen die Leserreporter auf den Plan.

auch die kommentare sind lesenswert.
[via lost and found]

sónar festival, personal review, day 2

bevor die erinnerungen wieder verblassen, möchte ich noch die anderen beiden tage des sónar-festivals festhalten: am Tag 2, Freitag, 15.06.,  endlich das wirklich erste große highlight: clark zeigt, dass es sie noch gibt, die langen, tiefen bässe mit verspielter elektronik darüber. sein album body riddle läuft bei mir schon seit einiger zeit auf heavy rotation, das konzert beim sónar hat diesen zustand nun prolongiert. ohne starke beschleunigung und allzu arge geschwindigkeiten gelingt es clark, die gesamte aufmerksamkeit auf sich  zu ziehen. ein gewagtes musikalisches konzentrat, anzusetzen irgendwo im progressiven ambient-bereich. manche würden es auch ganz generalistisch idm nennen:

This is the oddest named genre in the entire world, since it’s not easily danceable, it’s not certifiably intelligent, and it’s arguable as to whether it constitutes as actual music. This is the realm of the uber-pretentious electronic music afficionados, with razor-thin eclectic tastes, who spend most of their waking energy arguing about what IDM is and what IDM isn’t.

bei der abendschiene des sónar begeisterten vor allem digitalism und simian mobile disco. new young pony club ließ sich mal wieder nicht blicken.
überraschend langweilig die ed banger label night, bei der dj mehdi und justice zwar gefielen, aber ihrem vorauseilenden ruf nicht wirklich gerecht werden konnten.
an dieser stelle möchte ich auch noch die visuals von pfandfinderei hervorheben, die – kurzweilig und professionell produziert – einen schönen mix aus vektorgrafiken und filmen boten.
für den abschluss sorgte um fünf uhr früh noch timo maas, der gewohnt souverän die platten drehte.
genug namedropping jetzt. erzählen möchte ich noch von den riesigen halle des messegeländes in barcelona, wo sonar by night untergebracht war. es gibt leider keine öffentliche information, wie viele leute an diesem zweiten festivalabend das sónar besuchten. ich schätze, dass es rund 30.000 waren. und es hätten noch mehr reingepasst…

sonar festival, personal review, day 1

heute gestern abend bin ich vom sónar-festival heimgekehrt. fazit vorweg: chaotische organisation, grandiose künstler. ein glück, dass es nicht umgekehrt war.
dieses review ist deshalb so detailliert, weil ich das festival noch einmal besuchen möchte und ich mich selbst in einigen jahren auch noch an die einzelheiten erinnern will. darüberhinaus soll es jenen (potentiellen) festivalbesuchern dienen, die mit dem gedanken spielen, das sónar im nächsten oder übernächsten jahr zu besuchen.
die geschichte(n) im detail:
Mittwoch, 13.06.: die austrian airlines haben aufgrund eines technischen fehlers im flugzeug das gepäck aller passagiere in wien gelassen. für uns hieß das: ziemlich genau 24 stunden mussten wir in barcelona ohne gepäck ausharren. etwas ärgerlich war das insofern, als dass uns durch diesen vorfall am Sónar Tag 1, Donnerstag, 14.06.: ziemlich viel zeit und geld dadurch verloren ging, dem gepäck hinterher zu telefonieren und uns um toilettesachen zu kümmern.
aber zum wesentlichen: den auftritt von blixa bargeld, dem sänger von einstürzende neubauten, hatten wir aufgrund der unnannehmlichkeiten mit unserem gepäck leider verpasst. beeindruckend und laut war jazzfinger (video vom auftritt schon online).
abends dann, das lang erwartete und groß angekündigte special concert der beastie boys. das erwies sich als eher langweilig. wirklich schade, denn der ansatz war ein interessanter: die beastie boys als gitarren-band zu sehen, das konnte doch wirklich etwas besonderes sein. war es aber leider nicht. dem konzert fehlte jegliche dramaturgie, es kam das gefühl auf, dass die beastie boys nicht wussten, wie sie aufhören wollten.
interessanter war abschließend dann aber narod niki, die den abend versöhnlich ausklingen ließen: narod niki baute über eine stunde lang spannung auf, das publikum wartete und wartete auf eine erlösung, die es aber nicht erhielt. das goethe institut zum projekt narod niki:

(…) das Bekenntnis zum musikalischen Experiment. Ein solches ist das Gemeinschaftsprojekt Narod Niki, an dem (Ricardo) Villalobos maßgeblich beteiligt ist. Zwei Mal schon trafen sich acht erfolgreiche Technoproduzenten, darunter Techno-Chefdenker Richie Hawtin, um live miteinander auf Laptops zu jammen.

wie robert glashuettner von fm4 den ersten tag erlebt hat, können Sie hier nachlesen.
fotos von den veranstaltungen gibt es unter anderem
hier und hier – und bald auf meinem flickr-account.
ein review der anderen beiden tage folgt demnächst.

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next stop: sónar festival, barcelona

on wednesday i am going to fly to barcelona. together with my friend thomas k. i am going to visit the sónar festival.
i have been looking forward to this event since years now. i am really lucky that i finished my semester in oslo already at the end of may, because now i have the time to go barcelona. in the past years it was never possible to attend to the festival because i had exams at this time of the year.
the line-up of the festival is incredible, starting with an opening concert of the beasty boys on thursday and ending with a dj-set of miss kittin on sunday at 5 in the morning… between that dozens of live-acts, djs, vjs and artists. i will not get much sleep in the upcoming days…